Ambulanz für nicht-invasive Hirnstimulation

Die nicht-invasive Hirnstimulation umfasst eine Gruppe von Stimulationsverfahren, welche es ermöglichen die Aktivität des Gehirns nicht-invasiv, also von außen und ohne Operation, zu verändern. Diese Eigenschaft ermöglicht ihre therapeutische Anwendung. In unserer Ambulanz setzen wir in erster Linie die transkranielle Magnetstimulation (TMS) sowie die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) zur Verbesserung der Erholung von Defiziten nach einem Schlaganfall ein. Seit mehreren Jahrzehnten werden die Techniken in der Neurologie und Neurowissenschaft angewendet und stellen sehr sichere und gut verstandene Techniken dar. Auch die therapeutische Wirkung dieser Verfahren ist langjährig bekannt und wissenschaftlich untersucht, sodass sie bereits in die Leitlinienempfehlungen der Fachgesellschaften aufgenommen wurden.

Bei der TMS wird eine Spule, die sehr kurze Magnetimpulse abgibt, über den Kopf der zu behandelnden Person geführt. Über das Prinzip der elektromagnetischen Induktion kann die Schädeldecke nicht-invasiv überwunden werden und so die Erregbarkeit der Nervenzellen und ihrer Verbindungen in dem Bereich unterhalb der TMS-Spule verändert werden. Die tDCS benutzt für die Beeinflussung Hirnaktivität einen Konstantstrom mit niedriger Intensität, welcher zwischen zwei auf dem Kopf angebrachten Schwammelektroden entgegengesetzter Polarität fließt. 

Seit vielen Jahren erforschen wir die Veränderungen des Gehirns, welche Funktionserholung nach einem Schlaganfall ermöglichen oder auch stören. Auf diesem Verständnis basieren unsere Stimulationsverfahren. Da gezeigt wurde, dass die Kombination aus Stimulation und funktioneller Therapie besonders effizient ist, folgt unmittelbar nach der Behandlung ein Training der relevanten Funktion durch Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie. Durch die vorherige Stimulation wird die Wirksamkeit der Trainingseinheiten signifikant erhöht.

In unserer TMS-Ambulanz beraten wir Patientinnen und Patienten mit einem Schlaganfall und ihre Angehörigen in einem Zeitraum von einem Monat bis zu vielen Jahren nach dem Ereignis. In einem ersten Termin untersuchen wir, ob eine Therapie für Sie infrage kommt. In weiteren Terminen prüfen wir die Sicherheit und Verträglichkeit, bevor wir in enger Zusammenarbeit mit den die Stimulation begleitenden Therapeutinnen und Therapeuten die Stimulationen durchführen. Gemäß den Leitlinienempfehlungen bieten wir die Therapien aktuell für Lähmungen der oberen oder unteren Extremität sowie für Sprachstörungen (Aphasie) an. 

 

Ablauf der Therapie 

Die Therapie besteht aus wiederholten Sitzungen über mehrere Wochen, wobei jede Sitzung aus der Hirnstimulation und einer sich direkt anschließenden Einzelbehandlung durch Physio-, Ergotherapie oder Logopädie besteht. Die Therapien werden von einem erfahrenen Team durchgeführt und durch regelmäßige ärztliche Verlaufstermine begleitet.

Derzeit werden die Kosten der angebotenen Therapien nicht als Regelleistung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Gerne erstellen wir jedoch einen Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse für einen individuellen Heilversuch.

Die Therapien erfolgen auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand und werden stetig weiterentwickelt. In enger Kooperation mit unseren Forschungseinrichtungen (Cooperative Brain Imaging Center) arbeiten wir außerdem kontinuierlich an neuen Therapiestrategien und bieten unseren Patientinnen und Patienten daher als Ergänzung zu den gängigen Therapieverfahren auch die Möglichkeit der Teilnahme an Studien.

 

Wichtige Unterlagen

Bitte bringen Sie zu Ihrem ersten Beratungsgespräch folgende Unterlagen mit: 

  • eine neurologische Überweisung

  • den Arztbrief von Ihrem Schlaganfall und ggf. der Rehabilitationsbehandlung

  • Ihren aktuellen Medikamentenplan

  • ggf. MRT-/CT-Bilder auf CD

 

Team

Prof. Dr. Christian Grefkes-Hermann und Dr. Caroline Tscherpel arbeiten und forschen bereits seit vielen Jahren mit transkranieller Magnetstimulation. Aus diesen Projekten entstand die hiesige TMS-Ambulanz.

 

Häufig gestellte Fragen

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Nein. Im Allgemeinen berichten die Patientinnen und Patienten von einer sehr guten Verträglichkeit. Teilweise wird ein Zucken oder Kribbeln an der Kopfhaut wahrgenommen, das in der Regel nicht als störend empfunden wird. 

Gibt es andere Nebenwirkungen?

In der Regel wird die Therapie sehr gut und ohne Nebenwirkungen vertragen. In seltenen Fällen wurde von leichten Kopfschmerzen nach der Behandlung berichtet. Sehr selten kann bei der TMS bei hierfür gefährdeten Menschen ein epileptischer Anfall ausgelöst werden, weshalb stets eine Risikoabschätzung mittels einer Hirnstrommessung (EEG) vor der Therapie erfolgt und die Therapie stets unter ärztlicher Supervision durchgeführt wird. 

Welche Verbesserungen kann ich erwarten?

Eine sichere Vorhersage darüber, ob und wie gut Patientinnen und Patienten von der TMS-Behandlung profitieren, ist leider nicht möglich. Unser Team spricht vor Behandlungsbeginn ausführlich mit Ihnen und untersucht Sie gründlich, um eine individuelle Therapieempfehlung aussprechen zu können. Aufgrund der guten Verträglichkeit der Therapie ist ein Therapieversuch in vielen Fällen sinnvoll. 

Wann kann ich keine Therapie mit TMS erhalten?

Wir behandeln Patientinnen und Patienten, die nach einem Schlaganfall in ihrer motorischen Bewegungs- und Funktionsfähigkeit eingeschränkt sind oder eine Sprachstörung haben. Patientinnen und Patienten, die einen sogenannten Hirnschrittmacher oder Vagusnervstimulator implantiert haben, können aus Sicherheitsgründen nicht stimuliert werden. Patienten, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen epileptischen Anfall unter der Therapie besteht, können ebenfalls nicht behandelt werden. Gegebenenfalls kann eine Therapie in diesen Fällen aber zu einem späteren Zeitpunkt begonnen werden, wenn sich das Anfallsrisiko reduziert hat, wir beraten Sie diesbezüglich gern.

Wie lange dauert eine Sitzung der Therapie?

Eine Stimulationssitzung dauert etwa 30 Minuten. Anschließend erfolgt eine 1-stündige Therapie mittels Physio-, Ergotherapie oder Logopädie. 

 

Medienbeiträge zur Hirnstimulation

 

Weitere Literatur

Effects of low-frequency repetitive transcranial magnetic stimulation of the contralesional primary motor cortex on movement kinematics and neural activity in subcortical stroke. Nowak DA, Grefkes C, Dafotakis M, Eickhoff S, Küst J, Karbe H, Fink GR. Arch Neurol. 2008 Jun;65(6):741-7. doi: 10.1001/archneur.65.6.741.

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Leitlinien

Leitlinie Rehabilitation von sensomotorischen Störungen

Evidence-based guidelines on the therapeutic use of repetitive transcranial magnetic stimulation (rTMS): An update (2014-2018). Lefaucheur JP, Aleman A, Baeken C, Benninger DH, Brunelin J, Di Lazzaro V, Filipović SR, Grefkes C, Hasan A, Hummel FC, Jääskeläinen SK, Langguth B, Leocani L, Londero A, Nardone R, Nguyen JP, Nyffeler T, Oliveira-Maia AJ, Oliviero A, Padberg F, Palm U, Paulus W, Poulet E, Quartarone A, Rachid F, Rektorová I, Rossi S, Sahlsten H, Schecklmann M, Szekely D, Ziemann U. Clin Neurophysiol. 2020 Feb;131(2):474-528. doi: 10.1016/j.clinph.2019.11.002. Epub 2020 Jan 1.