Nach mehr als fünf Jahrzehnten prägender medizinischer Arbeit ist das Team des traditionsreichen Haus 68 in den neuen Erweiterungsbau der Universitätsmedizin Frankfurt umgezogen. Am bisherigen Standort hat die Infektiologie medizinische Pionierarbeit bei der Versorgung und Erforschung von HIV / AIDS geleistet. Nicht zuletzt in der Corona-Pandemie hat Haus 68 wesentliche Aufgaben übernommen. Der Umzug steht jetzt auch für eine Weiterentwicklung der Infektiologie: von einem abgelegenen Standort mitten ins Herz der Versorgung.
Das Haus 68, im Westen des Geländes auf dem Campus Niederrad gelegen, setzte über Jahrzehnte hinweg immer wieder Maßstäbe in der Infektiologie. Künftig wird es Teil des zentral gelegenen Neubaus sein. Damit beginnt eine neue Phase infektiologischer Spitzenversorgung in unmittelbarer Nähe zu den mit ihr eng verbundenen Fachdisziplinen an der Universitätsmedizin Frankfurt.
Bereits im Jahr 1982 wurden in Haus 68 zwei der ersten vier HIV-Patienten Deutschlands behandelt. In den Folgejahren entwickelte sich das Haus zu einem führenden Zentrum für die Behandlung des Immunschwäche-Virus. Zeitweise war es das größte HIV-Zentrum Deutschlands – gemessen an der Zahl der betreuten Patientinnen und Patienten.
„Für Menschen mit stigmatisierenden Erkrankungen oder aus unterprivilegierten Gruppen der Gesellschaft hat sich die Universitätsmedizin Frankfurt seit jeher besonders eingesetzt“, sagt Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Frankfurt. „Haus 68 stand genau für diese Haltung – und steht bis heute dafür: medizinisch exzellent, menschlich zugewandt und gesellschaftlich verantwortlich. Ich freue mich sehr, dass unsere infektiologischen Patientinnen und Patienten nun nicht nur fachlich, sondern auch räumlich in den Mittelpunkt unserer medizinischen Versorgung rücken.“
Auch während der Corona-Pandemie kam dem traditionsreichen Gebäude eine zentrale Rolle zu. Fast 1.100 COVID-19-Patientinnen und -Patienten wurden hier versorgt – unter teils schwierigen Bedingungen, aber mit hoher Expertise und großem Engagement.
Neue Räume, neue Möglichkeiten
Die neue infektiologische Station im Gebäudeteil Haus 23F bietet strukturelle Verbesserungen nach modernsten infektionsmedizinischen Standards, die optimal auf die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten mit hochkomplexen oder hochinfektiösen Erkrankungen ausgerichtet sind: Die Patientenzimmer sind größtenteils als Einzelzimmer mit vorgelagerten Schleusenräumen konzipiert, um höchsten hygienischen Standards gerecht zu werden. Neben den medizinisch-funktionalen Vorteilen bedeutet der Umzug für viele Patientinnen und Patienten auch eine unmittelbar spürbare Verbesserung: moderne Zimmer mit mehr Platz und Privatsphäre und ein barrierefreier Zugang erhöhen die Lebensqualität und Sicherheit während des Klinikaufenthalts. Zudem vereint der Neubau die Vorteile einer zentralen, interdisziplinären Versorgung: Ambulanz, Diagnostik, Intermediate Care und Intensivstationen sind räumlich eng miteinander vernetzt – für kürzere Wege, schnellere Entscheidungen und eine lückenlose Versorgung.
„Wir betreuen Patientinnen und Patienten mit schweren Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, HIV, Malaria oder seltenen Tropenkrankheiten – viele sind immungeschwächt, einige hoch ansteckend. Für sie bedeutet der Umzug in das neue Infektionszentrum vor allem eines: bessere Bedingungen für eine sichere, individuelle und hochqualitative Versorgung. Im neuen Zentrum können wir Diagnostik, Therapie und Nachsorge noch enger und effektiver verzahnen“, erklärt Prof. Dr. Maria Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie an der Universitätsmedizin Frankfurt.
Zudem können nun auch ambulante Leistungen in direkter räumlicher Nähe erbracht werden.
Zertifiziert und zukunftsgewandt
Ein besonderes Qualitätssiegel unterstreicht die Bedeutung des neuen Standorts: Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) hat die Einrichtung als offizielles DGI-Zentrum zertifiziert. Diese Auszeichnung erhalten nur Kliniken, die höchste Anforderungen bezüglich Qualitätssicherung und -entwicklung in der Versorgung infektiologischer Erkrankungen erfüllen. Die Zertifizierung steht auch für eine starke Forschungsanbindung. Die Universitätsmedizin Frankfurt beteiligt sich aktiv an internationalen Studien – so erhalten Patientinnen und Patienten Zugang zu neuesten Therapien, teilweise bevor sie flächendeckend verfügbar sind.
Der Umzug von Haus 68 ins neue Zentrum ist weit mehr als ein Ortswechsel. Die über Jahrzehnte gewachsene Kompetenz der Infektiologie bleibt erhalten – nun aber unter verbesserten Bedingungen, mit moderner Ausstattung und in einer Umgebung, die dem medizinischen Fortschritt ebenso Rechnung trägt wie den veränderten Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten.