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Wie gut hat das deutsche Gesundheitssystem in der Pandemie funktioniert, an welchen Stellen sollte es reformiert werden, und welche Rolle spielt die Universitätsmedizin dabei? Darüber sprechen die Vorstandsvorsitzenden Prof. Heyo K. Kroemer, Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Prof. Jürgen Graf, Universitätsklinikum Frankfurt, im Interview der neuen Ausgabe der „Wissen wird“, dem Magazin des Universitätsklinikum Frankfurt.
Die Rolle der deutschen Universitätsmedizin hat sich in der COVID-19-Pandemie wesentlich ausgeweitet: Die Universitätsklinika haben nicht nur die schwersten Fälle der Krankheit selbst behandelt, sie haben an einigen Orten die Versorgung der gesamten Region gesteuert, die Bundes- und Landesregierungen beraten und die Bevölkerung aufgeklärt. Dass das auch zukünftig wichtige Aufgaben der Universitätsmedizin sein sollten, hat kürzlich der Wissenschaftsrat konstatiert, der Bundes- und Länderregierungen zur Entwicklung von Wissenschaft, Forschung und Hochschulen in Deutschland berät.
Universitätsmedizin nicht adäquat finanziert
Um das zu erreichen, muss das Gesundheitswesen in Deutschland jedoch reformiert werden. Denn, erklärt Prof. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin: „Die Bundesrepublik ist das einzige Land, das ich kenne, das bei der Vergütung von Krankenversorgungsleistungen Unikliniken genauso behandelt wie jedes andere Krankenhaus.“ Dabei haben Universitätsklinika deutlich höhere Kosten als andere Kliniken.
Das gilt auch in der COVID-19-Pandemie: So wurden beispielsweise die Ausgleichszahlungen für Krankenhäuser zu einem Zeitpunkt gestoppt, als auf den Intensivstationen der Universitätsklinika noch viele schwerstkranke Menschen lagen. Insgesamt wurde rund ein Drittel aller beatmeten COVID-19-Patientinnen und -Patienten in den 35 Universitätsklinika behandelt.
Das Fallpauschalensystem weiterentwickeln
Doch auch an anderen finanziellen Stellschrauben im Gesundheitssystem muss dringend gedreht werden. Prof. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Frankfurt, stellt fest: „Wer Qualität und Kosten gleichermaßen betrachten möchte, wird um eine Weiterentwicklung des Gesamtsystems nicht herumkommen.“ Denn in der aktuellen Situation will jedes Krankenhaus nur die lukrativsten Leistungen erbringen. Die Universitätsklinika jedoch übernehmen mit den komplexen auch die wenig profitablen Fälle. In der Abschaffung des Fallpauschalensystems sieht Prof. Kroemer allerdings keine Lösung. Eine Weiterentwicklung des Systems könne unter anderem darin bestehen, dass Vorhaltekapazitäten wie zum Beispiel Sonderisolierstation in ausreichendem Umfang finanziert werden – damit man auf pandemische Situationen kurzfristig reagieren kann.
Rückstände bei der Digitalisierung sind „vollkommen unverständlich“
Prof. Graf und Prof. Kroemer sind sich einig: Handlungsbedarf herrscht insbesondere auch bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Nicht nur die gelben Impfpässe sind im Kontext der Hochleistungsmedizin überholt; viele Kliniken verwenden nicht einmal digitale Patientenakten. So können wichtige Informationen verloren gehen – ein erhebliches Risiko für die Patientinnen und Patienten. Auch fundierte Versorgungsforschung ist so kaum möglich. Prof. Kroemer stellt fest: „Wir haben keine harte Datenbasis für das, was medizinisch im Land passiert.“ Besonders kritisch ist das in Pandemiezeiten. „Es geht um Transparenz und Nachvollziehbarkeit“, erklärt Prof. Graf. „Wir müssen wissen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt.“
Die beiden Vorstände hoffen nun, dass nach der Bundestagswahl Ende des Monats der politische Wille ausreicht, das System in wesentlichen Bereichen weiterzuentwickeln.
Das vollständige Interview sowie die gesamte Ausgabe der „Wissen wird“ finden sich auf der Homepage des Universitätsklinikum Frankfurt www.kgu.de oder direkt unter folgendem Link:www.kgu.de/fileadmin/redakteure/Presse/Wissen_Wird/UKF_210923_wiwi_2103_web.pdf
Für weitere Informationen:
Christoph Lunkenheimer
Pressesprecher
Stabsstelle Kommunikation
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 86 44 2
E-Mail: christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de
Internet: www.kgu.de
Herausgeber: Der Vorstand des Universitätsklinikum Frankfurt. Redaktion: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher, Stabsstelle Kommunikation, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Telefon: +49 69 63 01 – 86 44 2, E-Mail: christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de
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