19. November 2025
Seit ihrer Gründung hat die Medizinische Kinderschutzambulanz sehr erfolgreich Strukturen und gemeinsam mit Partnern Netzwerke aufgebaut, um von Missbrauch betroffenen Kindern und Jugendlichen besser helfen zu können. Doch es bleiben Herausforderungen und Ziele für die Zukunft.
Seit nunmehr 15 Jahren steht die Medizinische Kinderschutzambulanz der Universitätsmedizin Frankfurt zuverlässig an der Seite von Kindern und Jugendlichen, die von Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung betroffen sind. Das interdisziplinär arbeitende Team ist Teil des Transdisziplinären Kinderschutzzentrum des Hessischen Kindervorsorgezentrums. Seine zentralen Aufgaben sind die frühe Erkennung, fachgerechte Dokumentation und medizinische Versorgung bei Verdachtsfällen. Darüber hinaus engagiert sich die Ambulanz langfristig für Aufklärung und Prävention – ein Ansatz, der nur durch enge Zusammenarbeit mit klinikinternen Abteilungen und zahlreichen externen Institutionen im Rhein-Main-Gebiet möglich ist.
„Die Kinderschutzambulanz hilft den Schwächsten. Das ist schon immer Teil unserer DNA als Universitätsmedizin Frankfurt“, sagt Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Frankfurt. „Es handelt sich um Aufgaben, die wir für die Gesellschaft übernehmen und die weit über die übliche Finanzierung durch die Krankenkassen hinausgehen. Wir danken der Hessischen Landesregierung, die uns bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützt.“
Steigende Fallzahlen – Ausdruck gewachsener Bekanntheit und Vernetzung
Die Zahl der in der Medizinischen Kinderschutzambulanz vorgestellten Kinder und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen und lag zuletzt bei rund 900 Fällen pro Jahr. „Diese gestiegene Anzahl bedeutet nicht zwangsläufig, dass es insgesamt mehr Misshandlungen gibt“, erklärt Prof. Dr. Matthias Kieslich, Leiter des Hessischen Kindervorsorgezentrums. „Sie zeigt vielmehr, dass unser Angebot bekannter geworden ist, wir heute deutlich besser vernetzt sind und das Bewusstsein für das Thema bei den relevanten Akteuren deutlich gewachsen ist.“
Zu den zentralen Erfolgen der vergangenen Jahre zählt, dass sich die Medizinische Kinderschutzambulanz im gesamten Rhein-Main-Gebiet fest etabliert hat. Durch die Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege konnte eine verlässliche finanzielle Grundlage für den Betrieb der Kinderschutzambulanz geschaffen werden. Ebenso hat sich die Zusammenarbeit mit den vielen am Kinderschutz beteiligten Disziplinen deutlich intensiviert und professionalisiert. Ein weiterer Meilenstein war die Etablierung des Childhood-Hauses Frankfurt unter Förderung des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege als Einrichtung, die die verschiedenen Akteure der Medizin, Jugendhilfe, Polizei und Justiz unter einem Dach zusammenführt.
Ministerin Diana Stolz betont: „Die Medizinische Kinderschutzambulanz leistet seit nun 15 Jahren eine enorm wichtige Arbeit für die Sicherheit und das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen. Mit ihrem hochspezialisierten Team, ihrer starken Vernetzung und ihrem unermüdlichen Engagement ist sie ein zentraler Pfeiler des Kinderschutzes in Hessen. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren großen Einsatz in diesem sensiblen und wichtigen Bereich. Sie geben den Jüngsten in unserer Gesellschaft Schutz und eine Stimme – gerade dann, wenn sie selbst keine haben.“
Zentrale Anlaufstelle für ein breites Netzwerk
Die Medizinische Kinderschutzambulanz fungiert heute als anerkannte Anlaufstelle für eine Vielzahl von Verantwortlichen im Kinderschutz – darunter Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeitende der Jugendämter, Fachkräfte aus Bildung und Erziehung, Justiz und Polizei sowie betroffene Kinder, Jugendliche, Pflege- und Bezugspersonen.
„Wir freuen uns, dass wir die Strukturen in den vergangenen Jahren gemeinsam mit unseren Partnern weiterentwickeln konnten. Für die kommenden Jahre wünschen wir uns eine gesetzliche Verankerung kinderschutzmedizinischer Strukturen, eindeutig definierte und flächendeckend etablierte Zugangswege sowie eine vollumfängliche kinderschutzmedizinische Versorgung in ganz Hessen“, sagt Prof. Dr. Marco Baz Bartels, Leiter des Transdisziplinären Kinderschutzzentrums. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen: Der Fachkräftemangel erschwert insbesondere bei neuen, hochspezialisierten Berufsprofilen den weiteren Ausbau. Zudem können datenschutzrechtliche Anforderungen und technische Hürden im Bereich der IT-Infrastruktur kindgerechte Abläufe verkomplizieren. „In diesen Feldern würden wir uns Vereinfachungen wünschen, um den Kindern und Jugendlichen noch unkomplizierter und für sie weniger belastend helfen zu können“, so Prof. Baz Bartels weiter.
Förderung, Anerkennung und Jubiläumsfeier
Die Entwicklung der Medizinischen Kinderschutzambulanz wurde vor 15 Jahren auch durch eine Anschubfinanzierung der Kinderhilfestiftung e.V. ermöglicht. Seit 2015 verfügt die Ambulanz zudem über eine Institutsermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen zur Behandlung ambulanter Patientinnen und Patienten – ein zentraler Schritt zur strukturellen Verstetigung des Angebots. Durch die offizielle Eröffnung des Childhood-Hauses Frankfurt im Jahr 2023 und die Integration in das hessische Kindervorsorgezentrum wurde eine Struktur geschaffen, in der die Medizinische Kinderschutzambulanz zum Wohle der Kinder mit anderen Partnern unter einem Dach zusammenarbeitet.
Ihr 15-jähriges Bestehen feiert die Medizinische Kinderschutzambulanz am 19. November 2025 im Rahmen eines interdisziplinären Fachsymposiums. Gemeinsam mit internen und externen Expertinnen und Experten sowie langjährigen Wegbegleitern werden erfolgreiche Konzepte reflektiert und neue Impulse für eine zukunftsfähige Kinderschutzmedizin diskutiert. Ferner gilt es, allen beteiligten Personen, Disziplinen und Institutionen Dank zu sagen.
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Marco Baz Bartels
Transdisziplinäres Kinderschutzzentrum des
Hessischen Kindervorsorgezentrums
Theodor-Stern-Kai 7
D-60590 Frankfurt/Main
Tel: +49 69 6301 5976
Fax: +49 69 6301 83363
E-Mail: marco.bartels@unimedizin-ffm.de
Web: www.unimedizin-ffm.de