Um das öffentliche Bewusstsein für das Leben mit ADHS zu schärfen, hat die Patientenorganisation ADHD Europe den ADHD Awareness Month October ins Leben gerufen. Das Universitätsklinikum Frankfurt beteiligt sich daran und möchte auf die Erforschung von neuartigen Behandlungsoptionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ADHS aufmerksam machen.
Patientenorganisationen und Wissenschaftler in ganz Europa nutzen den Monat Oktober, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu richten. In zahlreichen Veranstaltungen werden in diesem Jahr die besonderen Herausforderungen, Schwierigkeiten und Möglichkeiten von Menschen mit ADHS im Beruf thematisiert. „ADHS bringt nicht nur Probleme im Arbeitsalltag mit sich. Berufstätige mit ADHS verfügen vielmehr über eine Menge an Fähigkeiten und Stärken. Wenn Arbeitgeber stärker über ADHS informiert sind und entsprechende Hilfen anbieten, können diese für alle Seiten optimal zum Einsatz kommen“, erklärt Andrea Bilbow, die Vorsitzende von ADHD Europe. Am Universitätsklinikum Frankfurt wird über den Oktober hinaus der Fokus auf die Erforschung von neuartigen Behandlungsoptionen gerichtet, die die Berufs- und Lebenssituation von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit der ADHS verbessern sollen.
Wenn Medikamente nicht ausreichend helfen
Bislang können die typischen Symptome der ADHS in vielen Fällen mit Medikamenten verbessert werden. Wenn jedoch Medikamente nicht ausreichend helfen oder abgelehnt werden, stellt sich die Frage nach alternativen Behandlungsoptionen, die möglichst einfach im Alltag der Betroffenen umgesetzt werden können. Forschende der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt gehen derzeit dieser Frage nach und erproben in insgesamt drei Studien neuartige Behandlungsoptionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der ADHS.
Psychotherapie speziell für Jugendliche – kurz und zugeschnitten
Die Jugendlichenstudie ESCAadol hat zum Ziel, auf die Bedürfnisse jugendlicher Patienten abgestimmte verhaltenstherapeutische Methoden der ADHS gut erreichbar anzubieten und wissenschaftlich zu untersuchen. Es geht dabei speziell um die Therapie von ADHS-Betroffenen, die trotz vorangegangener Behandlung noch keine hinreichende Besserung erfahren konnten. Ganz zentral ist, dass die Behandlung auf die Bedürfnisse der Jugendlichen und ihrer Familien individuell eingeht und dadurch die Behandlungsdauer kurz gehalten werden kann. Für diese Studie werden ADHS-Betroffene im Alter von 12 bis 17 Jahren gesucht. Interessenten werden gebeten, eine E-Mail an kjp_escaadol@kgu.de zu schicken.
Das Gehirn auf Trab bringen
Es ist bereits bekannt, dass ADHS mit einer veränderten Arbeitsweise in bestimmten Teilen des Gehirns einhergeht. In dem Projekt STIPED erforscht nun ein Wissenschaftsteam aus ganz Europa, wie gut die Funktionsweise der bei ADHS veränderten Hirnbereiche mit Hilfe der Hirnstimulation verbessert werden kann. Dabei kommt die nicht-invasive transkranielle Gleichstromstimulation zum Einsatz, bei der das Gehirn mit einem sehr schwachen elektrischen Strom stimuliert wird. Diese Technik, die sich bereits seit 15 Jahren bei der Behandlung von Erkrankungen wie Depressionen, chronischen Schmerzen oder bei der Rehabilitation in Folgen eines Schlaganfalls als sehr gut verträglich, leicht durchführbar und kosteneffektiv erwiesen hat, soll nun erstmals bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS Anwendung finden. Für diese Studie werden ADHS-Betroffene im Alter von 10 bis 18 Jahren gesucht. Interessenten werden gebeten, eine E-Mail an kjp_stiped@kgu.de zu schicken.
Laufen und Sonnenlicht als Therapie von Folgeerkrankungen
Viele Betroffene leiden nicht nur unter den typischen Symptomen der ADHS, sondern auch unter Folgeerkrankungen wie Depressionen und Übergewicht. Eine EU-weite Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Frankfurt untersucht nun, ob Bewegungsprogramme und Lichttherapie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Folgeerkrankungen vermindern und bestenfalls vorbeugen können. Die Behandlung erfolgt ohne Medikamente, dafür mit einer eigens entwickelten Smartphone-App, die den einzelnen Patienten bei der Durchführung unterstützt. Für diese Studie werden ADHS-Betroffene im Alter von 14 bis 45 Jahren gesucht. Interessenten werden gebeten, eine E-Mail an proud-studie@kgu.de zu schicken.