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Um das öffentliche Bewusstsein für das Leben mit ADHS zu schärfen, hat die Patientenorganisation ADHD Europe den ADHD Awareness Month October ins Leben gerufen. In diesem Jahr soll vor allem den immer noch weit verbreiteten ADHS-Mythen entgegengewirkt werden.
Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine häufige und chronische Erkrankung, die im Kindesalter beginnt und bei einer relativ großen Zahl der Betroffenen auch in das Erwachsenenalter andauert. Den betroffenen Eltern wird nach wie vor oftmals vorgeworfen, dass eine falsche Erziehung die Ursache für das auffällige Verhalten ihres Kindes sei. Auch die Vorstellung, dass ADHS eine Kinderkrankheit sei und sich im Erwachsenenalter verwachse, ist weit verbreitet. Dabei sprechen aktuelle Zahlen dafür, dass bis zu 60 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen auch als Erwachsene unter ADHS leiden. Diesen und weiteren wissenschaftlich widerlegten Vorurteilen gilt es, durch gezielte Aufklärung entgegenzutreten.
Gemäß dem diesjährigen Motto „ADHD Myths & Facts – Know the Difference!“ haben Wissenschaftler des europaweiten Forschungsprogramms CoCA unter Federführung des Frankfurter Universitätsklinikums – Prof. Andreas Reif ist der Programmkoordinator, Prof. Christine M. Freitag Leiterin einer klinischen Studie und eines Arbeitspakets – die wichtigsten Fakten in einem Video zusammengetragen. Dieses wird ab Mitte Oktober unter https://ddei3-0-ctp.trendmicro.com:443/wis/clicktime/v1/query?url=www.mind%2dthe%2dgap.live&umid=EC2DF3E7-952B-0905-90A2-D6096E428952&auth=43d524c34e8427ad7249cee0644fbe80fc54d958-4d4a5ea5a5a7c3d95136bf1cdce709f6dba1d2a3 zu sehen sein. Zuschauer können sich selbst testen: Können sie die Mythen entlarven?
Am Universitätsklinikum Frankfurt wird selbstverständlich auch über den Oktober hinaus der Fokus auf die Erforschung von neuartigen Behandlungsoptionen gerichtet. Ziel ist, die Berufs- und Lebenssituation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ADHS zu verbessern.
Wenn Medikamente nicht ausreichend helfen
Bislang können die typischen Symptome der ADHS in vielen Fällen mit Medikamenten verbessert werden. Wenn jedoch Arznei nicht ausreichend hilft oder abgelehnt wird, stellt sich die Frage nach alternativen Behandlungsoptionen, die möglichst einfach im Alltag der Betroffenen umgesetzt werden können. Forschende der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters gehen derzeit dieser Frage nach und erproben in insgesamt drei Studien unter der Leitung von Prof. Freitag neuartige Therapien.
Psychotherapie speziell für Jugendliche – kurz und zugeschnitten
Die Studie ESCAadol hat zum Ziel, individuell auf die Bedürfnisse von jugendlichen Patienten sowie – falls therapeutisch sinnvoll und notwendig – ihrer Eltern zugeschnittene verhaltenstherapeutische Methoden einzusetzen. Diese Therapie wird speziell Jugendlichen mit ADHS angeboten, bei denen bisherige Behandlungen nicht hinreichend angeschlagen haben. Ganz zentral ist, dass die Behandlung auf die Bedürfnisse der Jugendlichen und ihrer Familien individuell eingeht und dadurch die Behandlungsdauer kurz gehalten werden kann. Die Teilnahme an dieser Studie wird Jugendlichen mit ADHS im Alter von 12 bis 17 Jahren angeboten. Sie dürfen eine ggf. notwendige medikamentöse Therapie auch parallel zur Verhaltenstherapie weiterführen. Interessenten werden gebeten, eine E-Mail an kjp_escaadol@unimedizin-ffm.de zu schicken.
Das Gehirn auf Trab bringen
Es ist bereits bekannt, dass ADHS mit einer veränderten Arbeitsweise in bestimmten Teilen des Gehirns einhergeht. In dem Projekt STIPED erforscht nun ein Wissenschaftsteam aus ganz Europa, wie gut die Funktionsweise der bei ADHS veränderten Hirnbereiche mit Hilfe von Hirnstimulation verbessert werden kann. Dabei kommt die nichtinvasive transkranielle Gleichstromstimulation zum Einsatz, bei der das Gehirn mit einem sehr schwachen elektrischen Strom stimuliert wird. Diese Technik hat sich bereits seit 15 Jahren bei der Behandlung von Erkrankungen wie Depressionen, chronischen Schmerzen oder bei der Rehabilitation in Folge eines Schlaganfalls als sehr gut verträglich, leicht durchführbar und kosteneffektiv erwiesen. Nun findet sie erstmals bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS Anwendung. Die Teilnahme an dieser Studie wird Kindern und Jugendlichen mit ADHS im Alter von 10 bis 17 Jahren angeboten. Die Kinder und Jugendlichen sollten keine medikamentöse Therapie benötigen. Die Hirnstimulation wird als alternative Methode zur medikamentösen Therapie untersucht. Interessenten werden gebeten, eine E-Mail an kjp_stiped@unimedizin-ffm.de zu schicken.
Laufen und Sonnenlicht als Therapie von Folgeerkrankungen
Viele Betroffene leiden nicht nur unter den typischen Symptomen der ADHS, sondern auch unter Folgeerkrankungen wie Depressionen und Übergewicht. Die EU-weite Studie PROUD unter Federführung des Frankfurter Universitätsklinikums untersucht nun, ob Bewegungsprogramme und Lichttherapie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Folgeerkrankungen vermindern und bestenfalls vorbeugen können. Die Behandlung wird über eine eigens entwickelte Smartphone-App vermittelt, die den einzelnen Patienten bei der Durchführung unterstützt. Die Teilnahme an dieser Studie wird Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ADHS im Alter von 14 bis 45 Jahren angeboten. Sie dürfen eine ggf. notwendige medikamentöse Therapie der ADHS auch parallel weiterführen. Interessenten werden gebeten, eine E-Mail an proud-studie@unimedizin-ffm.de zu schicken.
Für weitere Informationen:
www.kgu.de/einrichtungen/kliniken/zentrum-fuer-psychischegesundheit/
psychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie-des-kindesund-
jugendalters/studien/therapiestudien/
www.esca-life.org/was-ist-escalife/escadol
coca-project.eu
www.mind-the-gap.live
Dr. Jutta Mayer
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Universitätsklinikum Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 84055
E-Mail jutta.mayer@unimedizin-ffm.de
Christoph Lunkenheimer
Pressesprecher
Stabsstelle Kommunikation
Universitätsklinikum Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 86 44 2
E-Mail christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de
Internet www.kgu.de
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