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Geschlechtsangleichende Hormontherapien werden verstärkt nachgefragt. Darunter versteht man die Gabe von Geschlechtshormonen mit dem Ziel einer Angleichung des biologischen Geschlechts an die empfundene Geschlechtsidentität. Um Patientinnen und Patienten langfristig besser medizinisch betreuen zu können, wurde unter Leitung des Schwerpunkts Endokrinologie des Universitätsklinikum Frankfurt und unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) die Arbeitsgemeinschaft Transgendermedizin gegründet. Ziel ist es, die Versorgung in diesem Gebiet auf eine fundierte wissenschaftliche Basis zu stellen.
Endokrinologinnen und Endokrinologen in Deutschland verzeichnen in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme von Anfragen nach einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie bei Geschlechtsinkongruenz. Wenn das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht mit der empfundenen Geschlechtsidentität übereinstimmt, spricht man von Geschlechtsinkongruenz. Häufig werden auch die Begriffe Transsexualität, Transgender oder Transidentität benutzt. Betroffene, die sich in medizinische und psychologische Behandlung begeben, durchlaufen einen jahrelangen Prozess. In einem ersten Schritt stellen erfahrene Psychotherapeutinnen und -therapeuten eine entsprechende Diagnose und Indikation für eine geschlechtsangleichende Hormontherapie. Anschließend begleiten Fachärzte für Endokrinologie die betroffenen Menschen, leiten eine entsprechende Therapie fachgerecht ein und überwachen diese – weit über eventuelle geschlechtsangleichende Operationen hinaus – über Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg regelmäßig.
Viele Endokrinologen bieten mittlerweile Spezialsprechstunden an, so auch der Schwerpunkt Endokrinologie der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikum Frankfurt. „In den vergangenen Jahren ist die Zahl wissenschaftlicher Studien zu diesem Thema gestiegen. Entsprechende Forschungen laufen auch hier im Universitätsklinikum Frankfurt“, erklärt Prof. Dr. Bojunga, Leiter des Schwerpunktes Endokrinologie und Initiator der AG Transgendermedizin. „Die Evidenz insbesondere hinsichtlich möglicher Langzeitkomplikationen einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie ist jedoch weiterhin schwach. Die interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft Transgendermedizin hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Forschung auf diesem Gebiet voranzubringen und – ganz im Sinne der translationalen Universitätsmedizin – die medizinische Betreuung der Betroffenen zu verbessern.“
Richtlinien erarbeiten, Vernetzung fördern
Die Arbeitsgemeinschaft Transgendermedizin will Empfehlungen zur Form und Frequenz der psychotherapeutischen Begleitung der Betroffenen sowie zur Form und zum Inhalt der Indikationsschreiben formulieren. „Die AG sieht ihre Aufgabe auch darin, die Diagnostik und Aufklärung vor Aufnahme der Therapie zu vereinheitlichen sowie Richtlinien für die Durchführung und Überwachung der Therapie und für das perioperative Management bei geschlechtsangleichenden Eingriffen zu entwickeln“, so PD Dr. Gesine Meyer, Gründungsmitglied der AG. „Weitere Ziele sind die Etablierung eines Registers sowie die Koordination und Vernetzung von Forschungsvorhaben und Studien.“
Die Gründung der interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Transgendermedizin erfolgte unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), einer der größten endokrinologischen Fachgesellschaften Europas. Auf Einladung des Universitätsklinikum Frankfurt kamen 33 Ärztinnen und Ärzte Ende 2023 zu einem Auftakttreffen zusammen. Unter den Teilnehmenden war u.a. Prof. Dr. Günter Stalla, früherer Vorstand der DGE und Pionier auf dem Gebiet der geschlechtsangleichenden Hormontherapie in Deutschland. Die Wahl eines entsprechenden Beirates erfolgte unter Beteiligung der Bereiche Endokrinologie, pädiatrischer und gynäkologischer Endokrinologie, Psychotherapie und Urologie. Als Sprecher der AG wurde Prof. Dr. Bojunga gewählt.
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Jörg Bojunga
PD Dr. Gesine Meyer
Medizinische Klinik 1
Schwerpunkt Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 51 22
E-Mail: gesine.meyer@ukffm.de
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