20. Januar 2023
Der Theodor Stern-Stiftungspreis geht an drei Persönlichkeiten, die wesentlich zur Weiterentwicklung der professionellen Pflege und zur Prävention von Antibiotikaresistenzen beigetragen haben.
Der Theodor Stern-Stiftungspreis würdigt einmal im Jahr außergewöhnliche Leistungen auf den Gebieten der medizinischen Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am Abend des 19. Januar 2023 ausnahmsweise für zwei Erfolgsgeschichten vergeben. Christa Flerchinger erhielt den Preis dafür, dass sie über vier Jahrzehnte die professionelle Pflege – am Universitätsklinikum Frankfurt und darüber hinaus – weiterentwickelt hat. Außerdem haben Dr. Johanna Kessel und Prof. Dr. Thomas A. Wichelhaus den Stiftungspreis erhalten. Ihre Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum sachgerechten und verantwortungsvollen Einsatz von Antiinfektiva und damit zur Patientensicherheit und Prävention von Antibiotikaresistenzen. Die Verleihung fand im Rahmen des Neujahrsempfangs am Universitätsklinikum Frankfurt statt. In einem Grußwort dankte auch Angela Dorn, Hessische Wissenschaftsministerin und Aufsichtsratsvorsitzende des Universitätsklinikum Frankfurt, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz.
Erfolgreiche Pflege durch Evidenz und Qualifizierung
Christa Flerchingers Lebenswerk ist eng mit der Entwicklung und weiteren Professionalisierung des Pflegeberufs verbunden. Nach ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und einem Abschluss als Diplom-Soziologin arbeitete sie durchgehend am Universitätsklinikum Frankfurt. Seit 1995 leitete sie die Stabsstelle Pflegeentwicklung, an deren Aufbau sie maßgeblich beteiligt war. Die Entwicklung und das Monitoring von Pflegequalität, die Etablierung einer Evidenzbasierten Pflegepraxis (EBP), Evaluations- und Forschungsprojekte und die Konzeption, Begleitung und Durchführung von Praxisprojekten zählen zu ihren Errungenschaften.
„Die Pflege ist ein wesentlicher Bestandteil einer universitätsmedizinischen Versorgung auf höchstem Niveau. Mit ihrer langjährigen herausragenden Arbeit im Universitätsklinikum Frankfurt hat Christa Flerchinger zur Entwicklung der professionellen Pflege weit über unser Haus hinaus beigetragen. Dafür gebührt ihr unser größter Dank und Respekt“, sagt Birgit Roelfsema, Pflegedirektorin am Universitätsklinikum Frankfurt. „Die Ehrung würdigt nicht nur eine über 45-jährige sehr erfolgreiche Arbeitsleistung. Der Preis betont auch die Relevanz der Pflege an sich.“
Projektarbeit und individuelle Förderprogramme sind wichtige Bausteine der Stabsstelle Pflegeentwicklung. Ein Beispiel ist die modellhafte Erprobung nationaler Expertenstandards der Pflege und deren Implementierung auf den Pflegestationen. Ein Mentoring-Programm erlaubt Personen mit pflegewissenschaftlichem Studium außerdem, das theoretisch erworbene Wissen in eine evidenzbasierte Pflegepraxis umzusetzen. Die Etablierung dieser und vieler weiterer Programme sind eng mit dem Namen Christa Flerchinger verbunden.
Durch Antiinfektiva-Management Resistenzentwicklung vorbeugen
Dr. Johanna Kessel und Prof. Dr. Thomas A. Wichelhaus setzen sich im Universitätsklinikum Frankfurt für eine kontinuierliche Verbesserung der Verordnungs-Qualität von Antiinfektiva ein. Als Leiter der Antiinfektiva-Kommission (AIK) am Universitätsklinikum ist Prof. Dr. Wichelhaus für die Steuerung des Einsatzes von Antiinfektiva, die Überwachung von Erregerresistenzen und die Erstellung und Aktualisierung von Behandlungsleitlinien verantwortlich.
Die praktische Umsetzung liegt beim Antibiotic Stewardship-Team (ABS) unter Leitung von Dr. Johanna Kessel. Sie ist mit ihrem Team für regelmäßige Schulungen, Antiinfektivaverbrauchssurveillance, die Erarbeitung und Umsetzung von Maßnahmenpaketen, den infektiologischen Konsiliardienst und die Durchführung von Antiinfektiva-Visiten auf ausgewählten Klinikstationen zuständig. „Das Antiinfektiva-Management ist eines von vielen Beispielen für die bereichsübergreifende, interdisziplinäre und translational ausgerichtete Tätigkeit der Universitätsmedizin. Dies trägt dazu bei, beste klinische Behandlungsergebnisse zu erreichen und Gefahren für Patientinnen und Patienten zu minimieren – und das bei möglichst geringem Antibiotika-Einsatz“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Graf, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikum Frankfurt und Vorsitzender des Stiftungsvorstands. „Ich freue mich sehr, dass zwei engagierte Fachärzte und Wissenschaftler mit dem Theodor Stern-Stiftungspreis ausgezeichnet werden, die einen wertvollen Beitrag zur Therapiesicherheit in unserem Haus und darüber hinaus leisten.“ Prof. Dr. Wichelhaus und Dr. Kessel informieren und schulen nicht nur am Universitätsklinikum Frankfurt, sondern sind auch Ansprechpartner für andere Kliniken und bieten ABS-Kurse in Zusammenarbeit mit der Landesärztekammer Hessen an.
Die Theodor Stern-Stiftung
1994 haben das Universitätsklinikum Frankfurt und die Frankfurter Sparkasse die Theodor Stern-Stiftung eingerichtet. Mit ihrer Hilfe sollen das öffentliche Gesundheitswesen und die medizinische Forschung und Lehre gefördert werden. Theodor Stern (1837–1900) war für Frankfurt ein bedeutender Stifter und Mäzen. Er unterstützte die Initiative zur Gründung der Universität Frankfurt im Jahr 1914.
Der Stiftungspreis wurde das erste Mal seit 2020 wieder auf dem jährlichen Neujahrsempfang des Universitätsklinikum Frankfurt vergeben. Zuletzt ging die Auszeichnung an Dr. Victoria Therese Mücke und PD Dr. Marcus Maximilian Mücke, die der medizinischen Ausbildung am Ultraschallgerät am Universitätsklinikum Frankfurt eine neue Qualität verliehen haben.
Bildmaterial:.
(1) Preisträgerin Christa Flerchinger (3.v.r.) mit Markus Jones, Angela Dorn, Birgit Roelfsema, Pflegedirektorin des Universitätsklinikum Frankfurt, Prof. Dr. Jürgen Graf und Prof. Dr. Marcel Verhoff, Prodekan des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität (v.l.)
(2) Die Preisträger des Theodor Stern-Stiftungspreises, Prof. Dr. Thomas A. Wichelhaus (M.) und Dr. Johanna Kessel (2.v.r.), mit Staatsministerin Angela Dorn, Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Frankfurt, und Markus Jones, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikum Frankfurt
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