Am 2. April ist Weltautismustag. Das Autismus-Therapie- und Forschungszentrum des Universitätsklinikums Frankfurt befasst sich seit Jahren mit der individuellen und wissenschaftlich fundierten Förderung von Menschen mit Autismus. Eine hier entwickelte Therapie wird gerade in einer deutschlandweiten Studie geprüft.
Mit einer Häufigkeit von etwa einem Prozent sind in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen von Autismus betroffen. Patienten benötigen in vielfältigen Lebenslagen Unterstützung. Dennoch finden Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) auch in der Forschung oft wenig Beachtung.
Seit 2008 wird daher jedes Jahr am 2. April der Weltautismustag begangen – in allen Mitgliedsländern der Vereinten Nationen mit vielfältigen Beiträgen und Veranstaltungen. Er soll vor allem dabei helfen, ASS ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und so das diesjährige Motto „Eine neue Dynamik für Autismus“ nachhaltig umzusetzen.
„Sich als Gesellschaft gemeinsam und mit neuer Dynamik dafür einzusetzen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen zu verbessern, ist nicht nur wünschenswert, sondern dringend erforderlich. Dabei ist es jedoch wichtig, den Fokus nicht nur auf Defizite zu setzen, sondern auch die Stärken zu sehen und entsprechend zu fördern“, erklärt Prof. Christine M. Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt. Auf diesen Aspekt wird im Autismus-Therapie- und Forschungszentrum des Universitätsklinikums Frankfurt (ATFZ) ein besonderer Schwerpunkt gesetzt, wie Karoline Teufel, die therapeutische Leiterin des ATFZ betont.
Individuelle Förderung nötig
ASS sind sehr vielschichtig. Im ATFZ wird daher mit einem integrativen Ansatz gearbeitet. Im Rahmen dessen werden – je nach individuellen Besonderheiten – verschiedene Therapiemethoden alltagsnah und individuell passend umgesetzt. Die Förderung setzt bei der Kernsymptomatik autistischer Störungen an. Diese bestehen in Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie stereotypen Verhaltensweisen und Sonderinteressen. Darüber hinaus werden gemeinsam mit den Familien neue Möglichkeiten entwickelt, um den Herausforderungen im Alltag zu begegnen und bereits im Kindesalter die Weichen für ein erfüllendes Leben für die Betroffenen zu stellen.
Selbstständigkeit entwickeln
Hauptziel der Behandlung ist, dass sich das Entwicklungspotential des Kindes oder Jugendlichen bestmöglich entfaltet. Im Vordergrund steht dabei, den eigenen Handlungsspielraum und damit die Selbstständigkeit zu erweitern. Dabei werden nicht nur die individuellen Besonderheiten berücksichtigt, sondern auch die persönlichen Ressourcen gestärkt. Dieses Vorgehen soll letztlich ermöglichen, die Betroffenen erfolgreich in ihr jeweiliges Lebensumfeld zu integrieren. Eltern und andere Bezugspersonen werden intensiv in die Therapie einbezogen. Im Sinne eines alltagspraktischen Ansatzes arbeiten die Therapeuten auch eng mit Kindergarten und Schule zusammen.
Therapie und Forschung aus einer Hand
Am Universitätsklinikum Frankfurt sind Therapie und Forschung in einem Zentrum zusammengefasst. Behandlung und Wissenschaft gehen hier Hand in Hand: Die in langjähriger Arbeit entwickelten Therapiemethoden werden in Studien auf ihre Wirksamkeit untersucht und belegt. So wird die Therapie stets nach dem neuesten wissenschaftlichen Stand umgesetzt.
Aktuell wird am ATFZ eine DFG-geförderte Studie zur autismusspezifischen Frühförderung nach dem Frankfurter Ansatz (A-FFIP) durchgeführt, an der mehrere Universitätskliniken in Deutschland teilnehmen. Außerdem wird unter der Leitung von Klinikdirektorin Prof. Freitag eine Leitlinie mit Empfehlungen zum therapeutischen Vorgehen ausgearbeitet und befindet sich gerade in der Abschlussphase. Hier wurde über mehrere Jahre in enger Zusammenarbeit der Forschenden mit Expertinnen und Experten verschiedener Berufsgruppen sowie Betroffenenverbänden ein umfassender Leitfaden für die Autismustherapie geschaffen.
„Die Erforschung von ASS und der Dialog mit Betroffenen, ihren Familien sowie den entsprechenden Verbänden sind wesentlich, um eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie der Fördermöglichkeiten von Menschen mit Autismus zu erreichen“, sind sich Prof. Christine M. Freitag und Karoline Teufel einig.