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Forscher aus Nairobi und Frankfurt haben bei kenianischen Patientinnen und Patienten eine sehr hohe Quote hochresistenter Erreger festgestellt.
Multiresistente Bakterien, vor allem gramnegative Erreger, stellen eine der größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit dar. Die World Health Organization (WHO) weist auf diesen Sachverhalt seit dem Jahr 2017 regelmäßig hin und hat die entsprechenden Erreger als hochprioritär eingestuft – eine Problematik, die im Rahmen der COVID-19-Pandemie kaum wahrgenommen wurde. Während in den europäischen Ländern umfangreiche Erkenntnisse zu Vorkommen, Verbreitung und Eindämmung derartiger Erreger vorliegen (u.a. auch aufgrund zahlreicher Arbeiten aus Frankfurt), ist die Studienlage insbesondere in den Ländern Afrikas deutlich weniger dicht. Damit liegen nur wenige epidemiologische Daten vor, was Maßnahmen zur Eindämmung dieser Erreger deutlich erschwert.
Erstmalig umfassende Datenerhebung in Kenia als Ausgangspunkt für weitere Forschung
Ein Team aus Medizinischen Mikrobiologen, Bioinformatikern, Infektiologen und Krankenhaushygienikern aus Frankfurt und Nairobi hat erstmalig Daten zur Epidemiologie derartiger Erreger auf einer Neugeborenen-Intensivstation des Kenyatta-Hospitals in Nairobi, Kenia, erhoben. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie durch das LOEWE-Zentrum DRUID („Novel Drug Targets against Poverty-related and Neglected Tropical Infectious Diseases“) gefördert. Insgesamt 300 Mütter und deren Neugeborene wurden über vier Monate in Bezug auf das Vorkommen hochresistenter gramnegative Erreger vor Geburt, bei Aufnahme und Entlassung aus dem Krankenhaus untersucht. In mehr als 1.000 Proben von Müttern, Kindern und aus der Krankenhausumgebung wurden 288 resistente Bakterien nachgewiesen, von denen 63 wegen ihrer Resistenz gegen Reserveantibiotika (sog. Carbapeneme) als hochresistent einzustufen sind. Insgesamt waren 44 Prozent der neugeborenen Kinder bei Entlassung mit resistenten Erregern kolonisiert – eine außerordentlich hohe Rate. Am häufigsten wurden hierbei Erreger der Spezies Klebsiella pneumoniae nachgewiesen. Aufwändige molekulargenetische und bioinformatische Analysen des Erbguts der Erreger ergaben, dass es sich nicht um ein zusammenhängendes (monoklonales) Geschehen, sondern vielmehr um ein vielfältiges (multiklonales) Ausbruchsgeschehen mit insgesamt 20 Erreger-Subtypen handelte. Die Daten sprechen für eine sehr starke Ausbreitung hochresistenter Erreger in Afrika und weisen auf die Notwendigkeit adäquater Gegensteuerungsmaßnahmen (zielgerichteter Einsatz von Antibiotika, angemessene krankenhaushygienische Maßnahmen) hin.
Austausch der Projektpartner an beiden Standorten in Kenia und Frankfurt
Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit zwischen den Partnern aus Nairobi und Frankfurt, mehrfach reisten die Frankfurterinnen und Frankfurter nach Nairobi, und eine Medizinstudentin im praktischem Jahr war dort mehrere Monate vor Ort in die Studie eingebunden. Auch die kenianischen Partner kamen im Laufe des Projektes nach Frankfurt, wo gemeinsam das Erbgut der Erreger extrahiert und später analysiert wurde. Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel einer auch wissenschaftlich erfolgreichen Partnerschaft von Ärztinnen und Ärzten sowie Forschenden in einer deutsch-afrikanischen Kooperation, die als Grundlage für künftige gemeinsame Projekte dient, um z.B. in anderen Patientengruppen die Verbreitung derartiger Erreger zu analysieren und somit geeignete Maßnahmen zur Infektionseindämmung innerhalb und außerhalb der Krankenhäuser zu initiieren.
Publikation:
Villinger, D., Schultze, T, Musyoki, V.M., Inwani, I., Aluvaala, J., Okutoyi, L., Ziegler, A., Wieters, I., Stephan C., Museve, B., Kempf, V.A.J. (shared senior authorship), Masika, M. Genomic transmission analysis of multidrug-resistant Gram-negative bacteria within a newborn unit of a Kenyan Tertiary hospital: a four-month prospective colonization study. Frontiers in Cellular and Infection Microbiology. 25. August 2022. https://doi.org/10.3389/fcimb.2022.892126.
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Volkhard A. J. Kempf
Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 50 19
E-Mail: volkhard.kempf@unimedizin-ffm.de
Internet: www.kgu.de
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