28. November 2025
Erste Kinder mit innovativem Medikament Teplizumab an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt behandelt.
An der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt wurden erstmals in Hessen Kinder mit dem in Europa noch nicht zugelassenen Medikament Teplizumab behandelt. Die Therapie gilt als Meilenstein in der Prävention des Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. Der Einsatz erfolgt im Rahmen eines sogenannten Compassionate Use Program (CUP), das vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genehmigt und überwacht wird. Rechtliche Grundlage hierfür ist das Arzneimittelgesetz, das die Anwendung nicht zugelassener Medikamente erlaubt, wenn eine schwerwiegende Erkrankung droht und keine gleichwertige Therapiealternative besteht.
Teplizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der gezielt bestimmte Immunzellen (T-Zellen) beeinflusst. Diese Zellen greifen bei der Entstehung von Typ-1-Diabetes die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse an. Durch die Behandlung kann dieser Autoimmunprozess verlangsamt werden. Studien belegen, dass der Beginn der klinisch relevanten Erkrankung – und damit der Zeitpunkt, an dem Insulin gespritzt werden muss – um bis zu fünf Jahre hinausgezögert werden kann.
Den Krankheitsverlauf bremsen
„Wir freuen uns sehr, dass wir nun auch in Hessen diese neue Therapie anbieten können, die bislang nur in wenigen Zentren in Europa verfügbar ist“, sagt Dr. Antje Allendorf, Oberärztin der Kinderdiabetologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt. „Teplizumab gibt betroffenen Familien wertvolle Zeit und eröffnet neue Perspektiven in der Versorgung von Kindern mit hohem Diabetesrisiko.“
Die Behandlung richtet sich an Kinder und Jugendliche im Stadium 2 des Typ-1-Diabetes. In dieser Phase sind bereits Autoantikörper gegen Betazellen nachweisbar und es zeigen sich leichte Störungen des Zuckerstoffwechsels – klinische Symptome wie Insulinmangel sind jedoch noch nicht vorhanden. Teplizumab kann den Übergang in das insulinpflichtige Stadium 3 signifikant verzögern.
Erfolgreiche Überführung von Forschungsergebnissen in die Praxis
Prof. Dr. Jan-Henning Klusmann, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt, betont: „Die Einführung dieser Therapie markiert einen wichtigen Schritt in der präventiven Kinder- und Jugendmedizin. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Erkenntnisse aus der translationalen Forschung in die klinische Versorgung gelangen und das Leben junger Patientinnen und Patienten nachhaltig verbessern können. Die Universitätsmedizin Frankfurt ist für die Durchführung dieser Therapie besonders prädestiniert, weil sie durch langjährige Expertise in der Kinderonkologie und der Stammzelltransplantation bereits über umfassende Erfahrung im Einsatz monoklonaler Antikörper verfügt. Wir sind stolz, dass wir diese innovative Therapie nun auch Familien in Hessen anbieten können.“
Ziel der Behandlung ist es, den Übergang in das insulinpflichtige Stadium um Jahre zu verzögern oder im besten Fall zu verhindern. In der Fachsprache spricht man von „sekundärer Prävention“. Mit der Einführung von Teplizumab erweitert die Universitätsmedizin Frankfurt das Präventionsangebot für Kinder mit hohem Risiko für Typ-1-Diabetes in Deutschland entscheidend. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt ist derzeit eines von vier Zentren in Deutschland, die diese Therapie anbieten, und setzt damit ein wichtiges Signal für eine frühzeitige, individualisierte und ursachenorientierte Behandlung kindlicher Autoimmunerkrankungen.
Bildmaterial:
Das Team der Kinderdiabetologie an der Universitätsmedizin Frankfurt (8.v.l.: Dr. Antje Allendorf)
Download unter: https://www.unimedizin-ffm.de/pressefotos
Der Abdruck des Fotos ist kostenfrei (Quelle: Universitätsmedizin Frankfurt).
Für weitere Informationen:
Dr. Antje Allendorf
Oberärztin
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsmedizin Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 58 09
E-Mail: antje.allendorf@unimedizin-ffm.de
Internet: www.unimedizin-ffm.de