22. Januar 2026
Mehr Lebensqualität und bessere Versorgung nach einem Herzstillstand: Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat ein bundesweites Projekt für ganzheitliche Nachsorge zur Förderung ausgewählt. Die Universitätsmedizin Frankfurt übernimmt dabei eine zentrale Rolle in der genetischen Diagnostik, um Betroffene optimal zu begleiten und Angehörige auch präventiv zu unterstützen.
Jährlich erleiden in Deutschland rund 136.000 Menschen einen plötzlichen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand. Auch wenn ein Teil der Betroffenen dank schneller Reanimation und moderner Akutmedizin überleben, sind die physischen und psychischen Folgen oft erheblich. Bislang fehlen jedoch bundesweit standardisierte Strukturen für eine umfassende Nachsorge sowie zur systematischen Abklärung genetischer Ursachen.
Das Projekt CAROL (Cardialer Arrest – Rückkehr zum optimalen Leben) will diese Versorgungslücke schließen und neue Standards in der kardiogenetischen Betreuung im Rahmen eines ganzheitlichen Nachsorgekonzepts etablieren. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat CAROL zur Förderung ausgewählt; vorgesehen ist eine Fördersumme von insgesamt 5,9 Millionen Euro.
„CAROL ist ein Meilenstein für die Nachsorge nach Herzstillstand, denn es verbindet modernste genetische Diagnostik mit einem ganzheitlichen Betreuungsansatz“, betont Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Frankfurt. „CAROL stärkt auch die Prävention und leistet damit einen wichtigen Beitrag für unser Gesundheitssystem. Mit den hochqualifizierten Teams des Zentrums für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik sowie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums Frankfurt bietet die Universitätsmedizin Frankfurt den idealen Rahmen, um Patientinnen und Patienten nachhaltig zu unterstützen und Familien frühzeitig über genetische Risiken zu informieren und zu schützen. Die Förderung durch den G-BA ist für uns besonders wertvoll, da sie die Umsetzung dieses innovativen Projekts auf höchstem wissenschaftlichen und klinischen Niveau ermöglicht.“
Starkes Konsortium bündelt Expertise
CAROL ist als interdisziplinäres, bundesweites Verbundprojekt angelegt, in dem verschiedene zentrale Bausteine der Nachsorge nach Herzstillstand zusammengeführt werden. Die Konsortialführung liegt beim Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) unter der Leitung von Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner. Weitere zentrale Partner sind die Abteilung für Psychokardiologie der Kerckhoff-Klinik GmbH unter der Leitung von Prof. Dr. Bettina Hamann, die gesetzlichen Krankenkassen Techniker Krankenkasse und BARMER sowie das Zentrum für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik an der Universitätsmedizin Frankfurt und der LiKe Healthcare Research GmbH.
Interdisziplinärer Ansatz
CAROL verfolgt einen umfassenden Ansatz, der medizinische, pflegerische, psychosoziale und genetische Aspekte der Nachsorge systematisch miteinander verbindet. Der Standort Frankfurt spielt eine Schlüsselrolle in der frühzeitigen genetischen Ursachenklärung von Herzstillständen. Die Diagnostik wird durch das Zentrum für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik an der Universitätsmedizin Frankfurt koordiniert und durchgeführt. Unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Silke Kauferstein liegt der Fokus insbesondere auf Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren, bei denen häufiger eine erbliche Ursache des Herzstillstands zugrunde liegt.
Genetische Diagnostik als zentrales Novum
„Ein entscheidendes Novum innerhalb von CAROL ist die genetische Diagnostik“, erklärt Prof. Dr. Silke Kauferstein. „Die Abklärung beginnt bereits während des stationären Aufenthalts nach einem Herzstillstand – nicht erst Monate oder Jahre später. Dadurch können genetische Risiken frühzeitig erkannt, therapeutische Konsequenzen geprüft und Angehörige zeitnah beraten werden.“ Dieser frühe Ansatz ermöglicht nicht nur eine individuellere Therapie für die Betroffenen, sondern schafft auch die Grundlage für eine wirksame Prävention innerhalb der Familien.
Molekulare Autopsie eröffnet neue Präventionsmöglichkeiten
Ein weiterer bundesweit einzigartiger Ansatz ist die systematische genetische Untersuchung verstorbener Patientinnen und Patienten nach einem Herzstillstand. Diese sogenannte molekulare Autopsie ermöglicht es erstmals, genetische Ursachen zu identifizieren und Familienmitglieder des Verstorbenen gezielt über potenzielle erbliche Risiken aufzuklären. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung weiterer lebensbedrohlicher Ereignisse in betroffenen Familien und stärkt die präventive Ausrichtung der kardiologischen Versorgung.
Der Projektstart ist für Ende 2026 vorgesehen.
Bildmaterial:
Prof. Dr. Silke Kauferstein leitet das Zentrum für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik an der Universitätsmedizin Frankfurt.
Download unter: https://www.unimedizin-ffm.de/pressefotos
Der Abdruck des Fotos ist kostenfrei.
Für weitere Informationen
Zum Gesamtprojekt:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Institut für Rettungs- und Notfallmedizin
Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner
Telefon: +49 43 15 00 31 50 0
E-Mail: Jan-Thorsten.Graesner@uksh.de
Internet: www.uksh.de
Zur Genetik:
Prof. Dr. Silke Kauferstein
Institut für Rechtsmedizin
Leitung Zentrum für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik
Universitätsmedizin Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 86 34 5
E-Mail: kauferstein@em.uni-frankfurt.de
Internet: www.unimedizin-ffm.de