Ein EU-Projekt zur Therapie von Autismus-Spektrum-Störungen und ADHS ist erfolgreich am Universitätsklinikum Frankfurt angelaufen. Teilnehmer werden nach wie vor gesucht.
Chronische psychische Störungen wie die Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) oder Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) sind relativ häufig vorkommende Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen. Die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt unter der Leitung von Prof. Christine M. Freitag ist Teil eines internationalen Konsortiums, das eine alternative, nichtmedikamentöse Behandlungsmethode bei diesen Erkrankungen untersucht. Dabei werden bestimmte Bereiche des Gehirns mit schwachem elektrischen Gleichstrom stimuliert. Zum Einsatz kommt die sogenannte nichtinvasive transkranielle Gleichstromstimulation (transcranial direct current stimulation, tDCS).
Etablierte Methode als Hoffnungsträger
„Die Technik hat sich bereits seit 15 Jahren bei der Behandlung von Erkrankungen wie Depressionen, chronischen Schmerzen oder in der Rehabilitation bei Folgen eines Schlaganfalls als sehr gut verträglich, leicht durchführbar und kosteneffizient erwiesen“, betont Projektleiterin Prof. Freitag. „Wir sind sehr optimistisch, dass die Hirnstimulation auch eine sichere Alternative zu bisherigen Behandlungen von neuropsychiatrischen Störungen wie ASD oder ADHS sein kann.“ Im Projekt STIPED – kurz für: „stimulation in pediatrics“, also Stimulation in der Kinderheilkunde – erforscht das Wissenschaftsteam erstmals die Wirkung dieser Art von Hirnstimulation bei Kindern und Jugendlichen mit ASD oder ADHS.
Erfolgreicher Start der Studie
Im November 2018 startete STIPED am Standort Frankfurt. Seitdem nehmen – sofern keine medizinischen Gründe gegen eine Teilnahme sprechen – fortlaufend interessierte Kinder und Jugendliche mit ADHS an der Studie teil. „Die Studie kommt gut an“, sagt Projektkoordinatorin Dr. Christina Luckhardt. „Es hat sich bereits eine Vielzahl von interessierten Eltern sowie betroffenen Kindern und Jugendlichen gemeldet. Uns freut besonders, dass die bisherigen Teilnehmer gerne zu uns gekommen sind und keiner die Studie vorzeitig beendet hat.“
Neuer Studienzweig für Autismus-Spektrum-Störungen
Dr. Luckhardt ist optimistisch, dass auch der Zweig der Studie für Kinder und Jugendliche mit ASD, der im Sommer 2019 gestartet ist, auf positive Resonanz stößt: „Wir haben hierzu eigens ein neuartiges computerbasiertes Training sozialer Fertigkeiten für Kinder und Jugendliche mit ASD ausgearbeitet, das wir parallel zur Stimulation einsetzen. Damit können unsere Teilnehmer auf spielerische Weise ihre Fähigkeiten weiterentwickeln.“ Die Frankfurter Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters ist federführend in der Entwicklung und wissenschaftlichen Überprüfung dieser neuen Therapie.
Teilnehmer gesucht
Wer sich für eine Teilnahme am STIPED-Projekt mit Schwerpunkt ADHS interessiert, kann sich noch bis Ende Juni 2020 anmelden. Für den Studienteil zu ASD können Teilnehmer bis Ende November 2020 berücksichtigt werden. Weitere Informationen zu beiden Studien können angefordert werden unter: kjp_stiped@unimedizin-ffm.de
Über das Konsortium
Das Konsortium besteht aus Mitgliedern der folgenden Organisationen: Evangelisches Klinikum Bethel, Christian-Albrechts-Universität und Universitätsklinikum Kiel, Goethe-Universität Frankfurt, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universität Coimbra, Universitätsklinikum Tours, dem dänischen Forschungszentrum für magnetische Resonanz sowie den Firmen Neuroelectrics SLU, Starlab Barcelona, ARTTIC.
Über das Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020
Horizont 2020 ist das bisher größte EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation. Fördermittel in Höhe von knapp 80 Milliarden Euro stehen dem Programm über einen Zeitraum von sieben Jahren (2014 bis 2020) zur Verfügung. Es verspricht mehr Durchbrüche, Entdeckungen und Weltneuheiten, indem es großartige Ideen vom Labor in die Anwendung bringt.
STIPED wird im Rahmen des Schwerpunkts Gesellschaftliche Herausforderungen unter dem Aufruf „Neue Therapien für chronische Krankheiten“ gefördert. Chronische Krankheiten sind eine erhebliche Belastung für den Einzelnen, die Gesundheitssysteme der Europäischen Union und darüber hinaus. Innovative und effektive Therapieansätze sind erforderlich, um die qualitativ beste Versorgung zu leisten, wenn Präventionsstrategien nicht wirken. Obwohl die biomedizinische Forschung in den letzten Jahren ein beträchtliches Grundwissen erlangt hat, stagniert die Entwicklung neuer Therapien. Diese Tatsache ist zum Teil auf eine fehlende klinische Validierung zurückzuführen.