25. Juni 2026
Die Klinik für Augenheilkunde der Universitätsmedizin Frankfurt hat in dieser Woche ein neues Fachzentrum für intravitreale operative Medikamentenapplikationen (IVOM) eröffnet. Mit modernster Bildgebung, speziell ausgestatteten Räumlichkeiten und optimierten Abläufen bündelt das Zentrum die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Netzhauterkrankungen, die mit IVOMs behandelt werden, an einem Standort. Die Leitung übernimmt Prof. Dr. Sandra Liakopoulos, international ausgewiesene Expertin auf diesem Fachgebiet.
Erkrankungen wie die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), diabetische Netzhauterkrankungen und venöse Gefäßverschlüsse gehören zu den häufigsten Ursachen für Sehverlust im höheren Lebensalter. Die erstmalige Einführung der IVOM-Therapie vor 20 Jahren hat maßgeblich dazu beigetragen, die Erblindungsrate zu senken. Heute zählt der minimalinvasive Eingriff zu den am häufigsten durchgeführten und sichersten Verfahren in der Augenchirurgie. Mit dem neuen Zentrum reagiert die Augenklinik auf die wachsende Zahl von Patientinnen und Patienten, die diese spezialisierte Behandlung benötigen. Bei dieser Therapie werden Medikamente direkt in den Glaskörper des Auges injiziert. Durch eine lokale Betäubung mit speziellen Augentropfen ist der eigentliche Eingriff schmerzfrei.
Epidemiologen gehen davon aus, dass die Zahl der Patienten mit einer AMD-Spätform aufgrund der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2050 um etwa 50 Prozent steigt.* Gleichzeitig steigt die Häufigkeit des Diabetes mellitus Typ 2 weltweit deutlich an. „Mit dem neuen IVOM-Zentrum schaffen wir optimale Voraussetzungen, um die hohe Nachfrage nach dieser Therapieform auch in Zukunft auf höchstem medizinischem Niveau zu bewältigen“, sagt Prof. Dr. Thomas Kohnen, Direktor der Klinik für Augenheilkunde. „Die neuen Strukturen ermöglichen eine noch effizientere und patientenorientiertere Versorgung. Der Um- und Aufbau in einem engen zeitlichen Rahmen war eine logistische Glanzleistung. Wir danken herzlich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die Eröffnung des neuen Zentrums möglich gemacht haben.“
Diagnostik und Behandlung unter einem Dach
Im neuen Zentrum werden sämtliche diagnostischen und therapeutischen Schritte räumlich gebündelt. Von der hochauflösenden Bildgebung mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) über die ärztliche Untersuchung bis zur Durchführung der Behandlung erfolgen alle Prozesse auf einer Ebene und in enger Abstimmung. Das verkürzt Wege, reduziert Wartezeiten und verbessert die Abläufe für Patientinnen und Patienten.
Jährlich führt die Augenklinik rund 5.000 intravitreale Medikamenteninjektionen durch. Das neue Zentrum schafft die infrastrukturellen Voraussetzungen, um diese Versorgung langfristig weiter auszubauen und gleichzeitig höchste Qualitätsstandards sicherzustellen.
Neue Leitung für ein zukunftsweisendes Versorgungsangebot
Die medizinische Leitung des IVOM-Zentrums übernimmt Prof. Dr. Sandra Liakopoulos. Die Spezialistin verantwortet die diagnostischen Prozesse und die strategische Weiterentwicklung des Zentrums in enger Zusammenarbeit mit dem Klinikdirektor. „Moderne Netzhautmedizin basiert auf dem Zusammenspiel von präziser Diagnostik, innovativen Therapien und effizienten Versorgungsstrukturen“, sagt Liakopoulos. „Wir erleben derzeit einen tiefgreifenden Innovationsschub. Fortschritte in der bildgebenden Diagnostik und eine stetig wachsende Zahl therapeutischer pharmazeutischer Optionen eröffnen neue Perspektiven für unsere Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig ermöglichen sie eine immer präzisere und individuellere Behandlung. Unser Anspruch ist es, auf Grundlage modernster Bildgebung und aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse jeder Patientin und jedem Patienten die bestmögliche Therapie zu ermöglichen.“
Unterstützt wird sie von einem spezialisierten multiprofessionellen Team aus Ärztinnen und Ärzten, medizinisch-technischen Fachkräften sowie Mitarbeitenden aus Organisation und Patientenmanagement. Die medizinisch-technische Leitung des Zentrums wird dabei von Saira Bajwa und Hazal Tugce Yaman übernommen. Gabriele Foit leitet das erfahrene OP-Team.
Meilenstein in der Behandlung von Netzhauterkrankungen
Die Eröffnung des neuen Fachzentrums markiert zugleich einen weiteren Schritt in der Entwicklung der IVOM-Therapie. Seit ihrer Einführung vor rund 20 Jahren hat sie die Behandlung von Netzhauterkrankungen grundlegend verändert. Erkrankungen wie die altersabhängige Makuladegeneration, diabetische Netzhautveränderungen und venöse Gefäßverschlüsse können heute in vielen Fällen wirksam behandelt und das Risiko für schwerwiegende Sehbeeinträchtigungen vermindert werden.
Für die Patienten bietet die universitäre Struktur einen besonderen Vorteil: Sollte im Verlauf der Behandlung eine operative Versorgung erforderlich werden – etwa bei Glaskörperblutungen, Komplikationen oder gleichzeitig bestehenden Katarakten –, stehen spezialisierte Chirurgen unmittelbar zur Verfügung. Dies ermöglicht kurze Wege und eine eng verzahnte Versorgung auch komplexer Krankheitsverläufe.
Darüber hinaus beteiligt sich die Universitätsmedizin Frankfurt aktiv an der Entwicklung und wissenschaftlichen Evaluation neuer Therapieverfahren für Netzhauterkrankungen. „Durch unser großes Studienzentrum können wir Patientinnen und Patienten auf Wunsch die Teilnahme an klinischen Studien ermöglichen und ihnen damit frühzeitig den Zugang zu innovativen Therapieansätzen eröffnen“, so Kohnen.
Nicht zuletzt erfüllt die Universitätsmedizin einen zentralen Ausbildungsauftrag. Die Nachfrage nach qualifizierten Augenärztinnen und Augenärzten wächst kontinuierlich. Universitätskliniken nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein, indem sie Patientenversorgung, Forschung und ärztliche Weiterbildung eng miteinander verknüpfen. Mit dem neuen IVOM-Zentrum stärkt die Augenklinik ihre Expertise in der konservativen und operativen Netzhautmedizin und setzt ein wichtiges Zeichen für die Zukunft der augenmedizinischen Versorgung.
* Quellen:
British Journal of Ophthalmology: Li JQ, Welchowski T, Schmid M, Mauschitz MM, Holz FG, Finger RP. Prevalence and incidence of age-related macular degeneration in Europe: a systematic review and meta-analysis. Br J Ophthalmol. 2020 Aug;104(8):1077-1084. doi: 10.1136/bjophthalmol-2019-314422. Epub 2019 Nov 11. PMID: 31712255.
Deutsches Ärzteblatt: www.aerzteblatt.de/news/deutliche-zunahme-von-amd-erkrankungen-bis-2050-prognostiziert-9b0579c6-9014-4a17-9646-26b86249cec7
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Sandra Liakopoulos
Leitung IVOM-Zentrum
Klinik für Augenheilkunde
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel.: +49 69 6301-5689
E-Mail: Sandra.liakopoulos@unimedizin-ffm.de
Web: www.unimedizin-ffm.de