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Die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützt ein Forschungsprojekt zum plötzlichen Herztod aus Frankfurt mit rund 300.000 Euro. So können unter anderem betroffene Familien besser betreut und mehr Leben gerettet werden.
Es kommt aus dem Nichts: Ein junger Mensch erfreut sich scheinbar bester Gesundheit und ist doch von einem Moment auf den anderen tot – ohne äußere Einwirkung. So oder so ähnlich stellt sich der plötzliche Herztod oft dar. In Deutschland sterben daran jedes Jahr etwa 65.000 Menschen, gut 40 Prozent davon sind zwischen 15 und 65 Jahre alt. Das Tragische an dieser Todesart ist in vielen Fällen, dass die Ursache gerade in jungen Jahren trotz Obduktion ungeklärt bleiben kann. Dies macht die Verlustbewältigung für die Angehörigen häufig noch schwerer.
Angebote für betroffene Familien
Um diese Situation zu ändern, wurde das Projekt RESCUED – also gerettet – am rechtsmedizinischen Institut am Universitätsklinikum Frankfurt ins Leben gerufen. Hier wollen Prof. Dr. Silke Kauferstein und Dr. Britt-Maria Beckmann den plötzlichen Herztod besser erforschen.
In Deutschland ist RESCUED das erste und einzige Projekt dieser Art. Der Beginn war hocherfolgreich. So gehen mittlerweile Anfragen von Familien aus dem gesamten Bundesgebiet bei den Wissenschaftlerinnen ein. Für die Fortsetzung und Weiterentwicklung dieses Projektes unterstützt die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung die Arbeit von Prof. Kauferstein nun mit rund 300.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren. Damit ermöglicht sie unter anderem eine regelmäßige Sprechstunde für betroffene Familien. Diese wird von Dr. Beckmann, Kardiologin und Expertin auf dem Gebiet der familiären Arrhythmiesyndrome, am Universitätsklinikum Frankfurt angeboten. In diesem Rahmen wird auf Wunsch der Angehörigen evaluiert, ob Angehörige – und wenn ja, welche genau – ein möglicherweise erhöhtes Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen haben. Dann erfolgt die gezielte Diagnosestellung, Beratung und ggf. Therapieempfehlung vor allem im Hinblick auf die Prävention weiterer plötzlicher Herztodesfälle in der Familie.
Betroffene Personen können über das Institut für Rechtsmedizin (Tel. 6301-7564) einen Termin in der monatlichen Sprechstunde ausmachen.
Zahlreiche Fälle ungeklärt
Vom plötzlichen Herztod oder auch Sekundentod spricht man, wenn wegen einer kardialen Ursache unerwartet und teils ohne vorherige Warnzeichen der Tod eintritt. In 30 bis 40 Prozent der Fälle bei jungen Menschen kann der Grund hierfür auch durch eine Leichenschau und Folgeuntersuchungen nicht festgestellt werden. Diese Todesfälle werden als „sudden arrhythmic death syndrome“ (SADS) oder bei Kindern als „sudden infant death syndrome“ (SIDS) bezeichnet.
Gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen können genetisch bedingte und damit vererbbare Erkrankungen zugrunde liegen. Diese führen dann beispielsweise zu Herzrhythmusstörungen durch sogenannte Ionenkanalerkrankungen. Dabei sind die meisten dieser Krankheitsbilder eigentlich therapierbar. „Wenn wir früh genug davon erfahren, können wir handeln“, sagt Prof. Kauferstein. Daher wird Verwandten ersten Grades empfohlen, sich kardiologisch und womöglich genetisch untersuchen zu lassen.
Multidisziplinäre Zusammenarbeit notwendig
Um zu verstehen, welche Ursache dem plötzlichen Herztod jeweils zugrunde liegt, ist eine strukturierte Zusammenarbeit multidisziplinärer Spezialisten nötig. Zu RESCUED gehört daher ein bundesweites Netzwerk von Ärzten, Kliniken, Rechtsmedizinern und Pathologen. Prof. Kauferstein und Dr. Beckmann haben in einem ersten Schritt einen Standard zur Todesursachenklärung junger Verstorbener festgelegt. Hierzu führt das Institut neben der Obduktion histologische und toxikologische Untersuchungen durch. Die molekulare Diagnostik der zugrundeliegenden genetischen Erkrankungen bei Verstorbenen und ggf. Angehörigen ist ebenfalls etabliert.
Am Universitätsklinikum Frankfurt ist zudem eine zentrale Datenerfassung von plötzlichen Herztodesfällen in jungen Jahren durch das Institut für Rechtsmedizin geplant.
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