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Mehr als 100 Jahre Wissen um Gesundheit: Eine Ausstellung im Universitätsklinikum Frankfurt durchleuchtet wichtige Stationen der Frankfurter Universitätsmedizin. Neben bekannten Persönlichkeiten werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Forschung, Lehre und Krankenversorgung gewürdigt, die abseits der bisherigen Chroniken an der Erfolgsgeschichte mitgeschrieben haben und sie täglich fortschreiben.
Die Gründung der Frankfurter Universität und der Medizinischen Fakultät geht zurück ins Jahr 1914, aber das Wissen um die Gesundheit ist noch älter: 30 Jahre zuvor war das städtische Krankenhaus Sachsenhausen errichtet worden – sein Potenzial ist zusammen mit weiteren, bereits bestehenden medizinischen Instituten im Universitätsklinikum Frankfurt aufgegangen. Seit dem späten 19. Jahrhundert haben hier also Menschen in wissenschaftlichen Funktionen und in der Krankenversorgung medizinische Standards gesetzt, um Patientinnen und Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Und die Entwicklung geht kontinuierlich weiter. 2024 soll am Universitätsklinikum Frankfurt ein hochmoderner Neubau bezogen werden. Ein Gesundheitscampus für die enge Zusammenarbeit zwischen Aus- und Weiterbildung, Studierenden und Auszubildenden nimmt Gestalt an. Die Digitalisierung integriert immer weitere Bereiche des Krankenhauses. Alle Maßnahmen folgen dem Ziel, die zentralen Aufgaben der Universitätsmedizin, die klinische und translationale Forschung, voranzubringen. Die Ausstellung „Aus der Geschichte der Frankfurter Universitätsmedizin“, die am 25. April 2023 im Zentralgebäude des Universitätsklinikum Frankfurt eröffnet wurde, schlägt den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft.
Historische Herausforderungen
„In den zurückliegenden Jahren war der Kampf gegen das Coronavirus eine der größten Herausforderungen in der Geschichte unseres Hauses. Bereits während der Pandemie war deutlich geworden, dass die Aufgaben, die wir als Universitätsmedizin in diesem Zusammenhang bewältigen müssen, jetzt schon als historisch bezeichnet werden können“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Graf, ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Frankfurt. „Diese intensive Zeit hat uns wieder einmal bewusst gemacht, wie viel Wissen und wie viele Fähigkeiten im Lauf der Zeit in der Frankfurter Universitätsmedizin generiert wurden, und welchen Wert die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachdisziplinen für die Gesundheit der Patientinnen und Patienten hat. Ich freue mich deshalb, dass die Ausstellung den Fokus auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lenkt, die die ereignisreiche Geschichte der Universitätsmedizin Frankfurt im Großen wie im Kleinen mit ihrem Engagement und ihrem Wissen geprägt haben.“
Die Mitarbeitenden trugen und tragen den progressiven Geist weiter, aus dem die erste deutsche Stiftungsuniversität der Neuzeit entstanden ist. Die einzigartige Gründungsgeschichte hat die Universität und das Universitätsklinikum Frankfurt von Beginn an im Selbstverständnis der Bewohner der Stadt verankert. „Viele Frankfurter Bürgerinnen und Bürger haben die Universität aus privaten Mitteln mitfinanziert,“ erklärt Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museum Frankfurt. „Insbesondere die Gründung der medizinischen Fakultät geht auf die Initiative von wohltätigen Frauen zurück, darunter die Bankierswitwen Johanna Stern und Franziska Speyer. Die Einrichtung wurde von Bürgern für Bürger errichtet und zeugt von der engen Verbundenheit der Stadt mit ihrer Universitätsmedizin.”
Eine Geschichte von Helden und Menschen
Die Ausstellung wurde von Prof. Dr. Michael Sachs, kommissarischer Leiter des Dr. Senckenbergischen Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin, und seinem Team konzipiert. Mehr als ein Jahr wurde an der inhaltlichen Gestaltung der Exposition gearbeitet, die jetzt im Zentralgebäude des Universitätsklinikum Frankfurt zu sehen ist. „Sie können die Gegenwart nur verstehen, wenn Sie die Vergangenheit kennen“, erklärt Prof. Sachs. „Die Beschäftigung mit der Geschichte hilft, sich im Hier und Jetzt zu orientieren. Sie lehrt uns, dass sich Dinge ständig verändern, und dass wir offen sein sollen für alle möglichen Entwicklungen. Dieses Bewusstsein für den Wandel und die Chancen, die darin liegen, möchten wir mit der Ausstellung vermitteln.“
Berühmte Persönlichkeiten, die in der Frankfurter Universitätsmedizin gewirkt und die Medizin mit ihren Erkenntnissen revolutioniert haben, finden in der Ausstellung ihren gebührenden Platz. Dazu gehören die drei Frankfurter „E“: der Hirnforscher Prof. Dr. Ludwig Edinger, Medizinnobelpreisträger Prof. Dr. Paul Ehrlich und Prof. Dr. Gustav Embden. Prof. Embden ist auch ein trauriges Beispiel für die Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus: Der aus einer jüdischen Familie stammende Professor starb 1933 kurz nach einer nationalsozialistischen Hetzkampagne. Ein Kapitel der Ausstellung widmet sich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universitätsmedizin Frankfurt, die aufgrund ihrer politischen Einstellung entlassen wurden, die emigrierten oder im KZ ermordet wurden.
Prof. Sachs und seine Kolleginnen und Kollegen haben bei der Ausstellungskonzeption das Ziel verfolgt, die Frankfurter Medizingeschichte nicht ausschließlich an Berühmtheiten und ihren Erfindungen festzumachen. „Lange Zeit war die Medizingeschichtsschreibung eine Art Heldenepos, die sich an Entdeckungen, also an rein technischen Errungenschaften, orientiert hat. Das ist aber nur eine Seite der Medaille“, sagt Prof. Sachs. „Wir wollen in der Ausstellung auch die Geschichte von Menschen erzählen, die nicht in den Chroniken vorkommen, die aber gleichermaßen wichtig und wertvoll für die Entwicklung der Medizin am UKF waren und sind – beispielsweise Dr. Charlotte Mahler, Deutschlands erste Chefärztin für Chirurgie und Klinikdirektorin. Ebenso haben Themen wie die baulichen Entwicklungen des Universitätsklinikum Frankfurt und die Entwicklung des Medizinstudiums an der Goethe Universität Eingang in die Ausstellung gefunden, weil sie mitentscheidend dafür sind, wo wir heute stehen.“
Forschung und Lehre im ständigen Wandel
In der Ausbildung werden die Grundlagen für die Qualität der zukünftigen Patientenbehandlung gelegt. Deshalb lohnt in der Ausstellung ein Blick auf das Medizinstudium der vergangenen Jahrzehnte, und wie es durch medizinischen Fortschritt und weitere Rahmenbedingungen kontinuierlich neu geformt wurde. In unmittelbarer Zukunft steht der Goethe Universität Frankfurt ein neuer Umbruch bevor: Im Jahr 2025 soll bundesweit eine neue ärztliche Approbationsordnung in Kraft treten. „Die Veränderungen der medizinisch-akademischen Ausbildung spiegeln immer auch gesellschaftliche und politische Verhältnisse sowie den Stand der Forschung wider“, erklärt Prof. Dr. Stefan Zeuzem, Dekan des Fachbereichs Medizin der Goethe Universität. „Die Ausstellung zeigt, wie sich das Medizinstudium im 20. Jahrhundert verändert hat, indem zum Beispiel neue Fächer ins Curriculum aufgenommen wurden. Vor 50 Jahren wurden Biomathematik, Strahlenschutz, Ökologie und psychosomatische Medizin und Psychotherapie als Prüfungsfächer eingeführt. Die zukünftige Approbationsordnung definiert digitale Kompetenz und Kenntnisse des Öffentlichen Gesundheitswesens als elementare Bestandteile des Studieninhalts. Diese Qualifikationen sind in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Kompetenz für zukünftige Ärzte und Forscherinnen geworden.“
Die Ausstellung gibt einen Vorgeschmack darauf, welche Schwerpunkte in den kommenden Jahren in Forschung, Lehre und in den Kliniken der Frankfurter Universitätsmedizin gesetzt werden. Sie ist als Dauerausstellung geplant und bei Bedarf erweiterungsfähig. Patienten, Krankenhausbesucherinnen und weitere Interessierte finden die öffentlich zugängliche Ausstellung im ersten Stock des Hauptgebäudes des Universitätsklinikum Frankfurt (Haus 23C) gegenüber des Cafés Piazza Doro.
Bildmaterial:
Die Ausstellung über die Frankfurter Universitätsmedizin wurde feierlich eröffnet von Prof. Dr. Michael Sachs, Komm. Leiter des Dr. Senckenbergischen Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin, Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Frankfurt, Prof. Dr. Stefan Zeuzem, Dekan des Fachbereichs Medizin, und Dr. Jan Gerchow, Direktor Historisches Museum Frankfurt (v.l.)
Download unter: www.kgu.de/pressefotos
Der Abdruck des Fotos ist kostenfrei.
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Sachs
Komm. Leiter Dr. Senckenbergisches Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 56 62
E-Mail: sachs@em.uni-frankfurt.de
Internet: www.kgu.de
Über das Universitätsklinikum Frankfurt
Das Universitätsklinikum Frankfurt, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden hochschulmedizinischen Einrichtungen Deutschlands. Es bietet seinen Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 33 Kliniken und klinischen Instituten. Der enge Bezug zur Wissenschaft – Universitätsklinikum und Fachbereich Medizin betreiben mehr als 20 Forschungsinstitute – sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die diagnostische und therapeutische Praxis. Rund 1.300 stationäre und tagesklinische Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Kliniken und Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen. Jährlich werden circa 46.000 stationäre und mehr als 480.000 ambulante Patientinnen und Patienten betreut. Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt das Universitätsklinikum unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie und Neurochirurgie nimmt es besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Das Leberzentrum ist die einzige Einrichtung für Lebertransplantation in Hessen. Ein Alleinstellungsmerkmal gemäß Versorgungsauftrag nach dem Hessischen Krankenhausgesetz besteht für die Region Frankfurt-Offenbach neben der Herzchirurgie auch für die Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Dermatologie und die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mehr als 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten.
Herausgeber: Der Vorstand des Universitätsklinikum Frankfurt. Redaktion: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher, Stabsstelle Kommunikation, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Telefon: +49 69 63 01 – 86 44 2, E-Mail: christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de
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