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Expertinnen und Experten aus 26 Ländern haben in Paris die Grundlagen für innovative Ansätze zur Erhöhung der Lebensqualität von Menschen mit neurologischen Entwicklungsstörungen gelegt. Die internationale und interdisziplinäre Kooperation, an der auch die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt mit drei Forschungsprojekten beteiligt ist, wird von der EU bis ins Jahr 2027 mit insgesamt elf Millionen Euro gefördert.
Als Teil von 26 weltweit führenden interdisziplinären Forschungsgruppen aus Europa und assoziierten Ländern setzt sich die Klinik Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt für die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit neurologischen Entwicklungsstörungen ein. Das von der EU geförderte Projekt Risk and Resilience in Developmental Diversity and Mental Health (R2D2-MH) verfolgt einen neuen Ansatz: Sein Ziel ist es, sich von der reinen Untersuchung von Risiken zu einem besseren Verständnis und zur Förderung von Resilienz zu bewegen. Dabei werden die Diversität der Entwicklung, der Genetik und der Diagnosen als einzelne Faktoren betrachtet, die das Wohlbefinden und die Funktionsfähigkeit über die gesamte Lebensspanne beeinflussen. „Ich bin sehr begeistert von der Idee, die Ziele unserer Forschung gemeinsam mit Menschen zu erarbeiten, die in ihrem Alltag mit psychischen Problemen konfrontiert sind. Durch die Kombination von maschinellem Lernen und Genetik mit klinischer Datenwissenschaft und einer patientenorientierten Ergebnisdefinition werden wir besser verstehen, wer von welcher verfügbaren Behandlung profitieren wird“, erklärt Prof. Andreas G. Chiocchetti, Leiter des Labors für Molekulare Genetik am Universitätsklinikum Frankfurt.
Großer Bevölkerungsanteil betroffen – neurobiologische Mechanismen wenig erforscht
Psychische Gesundheit bestimmt das persönliche Wohlbefinden, aber rund 38 Prozent der EU-Bevölkerung sind mit einer psychischen Störung oder Herausforderung konfrontiert, welche die EU-Volkswirtschaften jährlich mehr als 600 Milliarden Euro kosten. Neurologische Entwicklungsstörungen (NDDs = Neurodevelopmental Disorders) sind Erkrankungen, die das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und in der Regel schon früh im Leben beginnen. Dazu gehören Autismus und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Menschen mit NDD und ihre Familien sind verstärkt mit Diskriminierung und Stigmatisierung konfrontiert, was sich zusätzlich negativ auf das Wohlbefinden auswirkt. Gegenwärtig gibt es im Kontext von NDDs keine hochwirksamen, evidenzbasierten Ansätze zur mittel- bis langfristigen Verbesserung der mentalen Gesundheit. Dies ist zum Teil auf ein begrenztes Verständnis der neurobiologischen Mechanismen zurückzuführen, die beim Übergang von mentaler Gesundheit zur Krankheit im Laufe des Lebens und bei der Interaktion mit Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Die Unterscheidung zwischen neuronaler Diversität und Störung ist genau der Punkt, an dem R2D2-MH ansetzt.
Frankfurter Forschungsgruppen zu neuronalen Markern, genetischen Faktoren und zur Frühintervention
Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychiatrie des Universitätsklinikum Frankfurt ist an R2D2-MH mit mehreren Schwerpunktthemen beteiligt. Die Forschungsgruppe um Professorin Christine Ecker, Leiterin des Neuroimaging-Labors, wird sich im „Arbeitspaket 2“ auf die Charakterisierung von Risiko- und Resilienzmarkern der Entwicklungsdiversität unter Verwendung bildgebender Verfahren des Gehirns konzentrieren und diese mit Genexpressionsdaten sowie genetischen und Zellmodelldaten kombinieren. „Die Vertiefung unseres Verständnisses darüber, wie sich das Gehirn entwickelt und wie die Genetik von neuroentwicklungsbedingten Phänotypen wie Autismus-Spektrum-Störungen damit zusammenhängt, wird der vielversprechendste Ansatz sein, um die Auswirkungen der neuronalen Vielfalt auf daspersönliche Wohlbefinden zu entschlüsseln“, betont Professorin Ecker. „Wir freuen uns, in R2D2-MH mit Partnern aus der klinischen und der Grundlagenforschung zusammenzuarbeiten, um zu verstehen, wie neuronale Marker mit dem psychischen Wohlbefinden zusammenhängen.“
Professorin Christine M. Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt, und Prof. Andreas G. Chiocchetti werden im „Arbeitspaket 1“ untersuchen, wie bekannte genetische Faktoren zum Risiko und zur Resilienz in Bezug auf das psychische Wohlbefinden beitragen, und im „Arbeitspaket 4“, wie Behandlungsmaßnahmen in der frühen Kindheit mit genetischen Markern auf das Outcome bei neurologischen Entwicklungsstörungen einwirken. „Mit der Arbeit in R2D2-MH wollen wir begreifen, wie verschiedene Arten der Frühintervention durch genetische Faktoren beeinflusst werden. So werden wir besser verstehen können, warum manche Menschen von einer Behandlung profitieren und andere nicht“, erklärt Professorin Freitag. „Zu diesem Zweck werden wir mit Partnern aus Genf und Queensland, Australien, zusammenarbeiten, um Kohorten mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Behandlungen zu vergleichen.“
Alle Arbeitsbereiche arbeiten gemeinsam mit Personen, die von psychischen Problemen betroffen sind, an der Optimierung des Studiendesigns, um letztendlich deren Lebensqualität und das Wohlbefinden zu optimieren.
Bildmaterial:
Grafische Darstellung der Arbeitspakete und Themen des Projekts R2D2-MH
Download unter: www.kgu.de/pressefotos
Der Abdruck der Fotos ist kostenfrei.
Für weitere Informationen:
Prof. Andreas Geburtig-Chiocchetti
Leitung Labor für Molekulare Genetik
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 80 65 8
E-Mail: andreas.chiocchetti@unimedizin-ffm.de
Internet: www.kgu.de
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