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Multiple Verletzungen an verschiedenen Körperregionen werden häufig durch einen schweren Unfall verursacht und führen bei den Betroffenen zu einem lebensbedrohlichen Zustand. Zuverlässige Vorhersagen über den Verlauf und das Zusammenspiel der Verletzungen erfordern aufwändige Analysen. Jetzt stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft 5,1 Millionen Euro für die Polytraumaforschung zur Verfügung. Die multizentrischen Studien werden federführend vom Universitätsklinikum Frankfurt umgesetzt.
Bei einem schweren Unfall, beispielsweise mit dem Auto oder Motorrad, können verschiedene Körperregionen oder Organe gleichzeitig von Verletzungen betroffen sein. Oft ist schon eine einzige Verletzung lebensbedrohlich oder aber die Kombination mehrerer Verletzungen. Dann spricht man von einem Polytrauma (griechisch: poly = viele, Trauma = Wunde). Ein Trauma ist relevant für die Morbidität und Mortalität insbesondere auch in jungen Bevölkerungsgruppen. Weltweit sterben täglich circa 16.000 Menschen an den Folgen einer solchen Verletzung. In der westlichen Welt zählt das Polytrauma zu den Haupttodesursachen bei Patientinnen und Patienten, die jünger als 40 Jahre sind. Meistens handelt es sich um Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe.
Trotz medizinischer Fortschritte ist es noch nicht möglich, den klinischen Verlauf insbesondere auf der Intensivstation nach einem schweren Unfall vollständig zu erklären oder vorherzusagen. Für die Entschlüsselung der komplexen posttraumatischen Reaktionen, die einer Entzündungsreaktion des gesamten Körpers entsprechen, sind aufwändige Studien notwendig. Um mit Hilfe gezielter Forschungsprojekte die Mechanismen besser zu verstehen, Kriterien für eine zuverlässigere Vorhersage zu entwickeln und die Therapie zu verbessern, erhält ein Forschungsteam um Prof. Dr. Ingo Marzi, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Förderung in Höhe von 5,1 Millionen Euro. Rund 1,7 Millionen Euro sind unmittelbar für die Forschung am Standort Frankfurt bestimmt. Die erste Förderperiode ist auf vier Jahre angelegt.
Verbundnetz von Polytraumazentren
Die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Translationale Polytraumaforschung zur Bereitstellung diagnostischer und therapeutischer Instrumente zur Verbesserung des Outcome“ umfasst insgesamt neun wissenschaftliche Teilprojekte. Neben dem Koordinierungsprojekt von Prof. Marzi sind zwei weitere Projekte in der Universitätsmedizin Frankfurt angesiedelt, geleitet von Dr. Birte Weber und Dr. Cora Schindler. „Die Förderung durch die DFG weist die Universitätsmedizin Frankfurt – zu Recht – als bedeutenden Forschungsstandort auf dem Gebiet des Polytraumas aus“, erklärt Prof. Dr. Stefan Zeuzem, Dekan des Fachbereichs Medizin und Direktor der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Frankfurt. „Ihr enges Verbundnetz in diesem Forschungsvorhaben mit vier weiteren großen Traumazentren in Deutschland zeigt, dass die Forschung zum Wohle von mehrfachverletzten Patientinnen und Patienten eine Herausforderung darstellt, die am besten interdisziplinär und mit breiter Expertise angegangen wird.“ In das Fördervorhaben der DFG sind neben dem Universitätsklinikum Frankfurt die Universitäten in Ulm, Aachen, Magdeburg und Erlangen involviert. Der Forschungsverbund ist aus einer langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit im Rahmen der Etablierung einer bundesweiten Biobank für Serum-/Plasmaproben von polytraumatisierten Patienten mit Sitz in Frankfurt a. M. entstanden, in Verbindung mit dem TraumaregisterDGU® der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie.
Klinische Anwendung im Fokus
Ziel der Forschungsgruppe ist die Untersuchung von grundlegenden Mechanismen, die zur Pathogenese polytraumatisierter Patientinnen und Patienten nach schweren Unfällen beitragen. „Die Frankfurter Teilprojekte, die die DFG fördert, beschäftigen sich mit posttraumatischen Entzündungsreaktionen auf subzellulärer Ebene, der Rolle extrazellulärer Vesikel sowie dem Ausbau einer nationalen Biodatenbank für Unfallverletzte“, erklärt Prof. Marzi. „Hier werden potenzielle Biomarker an größeren Patientenzahlen erforscht und auch die Bedeutung des Schädel-Hirn-Traumas bearbeitet.“ Die Identifizierung potenzieller Biomarker kann dazu beitragen, die ablaufenden Mechanismen auf Organebene nach einer schweren Verletzung präziser zu erfassen. „Die translationale Forschung unter Leitung von Prof. Marzi hat in den vergangenen Jahren bereits zur Verbesserung der therapeutischen Maßnahmen am Universitätsklinikum Frankfurt und darüber hinaus geführt, beispielsweise bei der zellgestützten Behandlung von großen Knochendefekten“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Universitätsklinikum Frankfurt. „Prof. Marzi und sein Team haben auf diesem Gebiet erfolgreich entsprechende Behandlungsprotokolle für die klinische Anwendung entwickelt. Das ist ein Beispiel der wegweisenden Polytraumaversorgung und der Translation, d. h. des Übertragens wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung – dies steht beispielhaft für unser Haus und die Universitätsmedizin allgemein. Die aktuelle Förderung durch die DFG wird dazu beitragen, die Diagnosemöglichkeiten und Behandlungsstrategien weiter zu verbessern, zum Wohle der Patienten.“
Förderung durch die DFG
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V., deren Anfänge in die 1920er-Jahre zurückgehen, ist ein Verein zur Förderung von Wissenschaft und Forschung und zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit in Deutschland. Er unterstützt Einzel- und Verbundprojekte. Derzeit werden insgesamt 174 Forschungsgruppen gefördert, 14 Kolleg-Forschungsgruppen, zugeschnitten auf geistes- und sozialwissenschaftliche Arbeitsformen, und 14 klinische Forschungsgruppen. Die Forschungsgruppe zum Thema Polytrauma ist eine von neun neuen Gruppen, deren Förderung die DFG Ende März 2022 beschlossen hat. Die Themenspanne der Gruppen reicht von klinischer Forschung über Teilchenphysik und Klimakonzepte bis zu „Menschenrechtsdiskursen in der Migrationsgesellschaft“. Die neuen Verbünde erhalten für die erste Förderperiode insgesamt 38 Millionen Euro.
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Ingo Marzi
Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 61 23
E-Mail: ingo.marzi@unimedizin-ffm.de
Internet: www.kgu.de
Herausgeber: Der Vorstand des Universitätsklinikum Frankfurt. Redaktion: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher, Stabsstelle Kommunikation, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Telefon: +49 69 6 3 01 – 86 44 2, E-Mail: christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de
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