08. Juni 2022
Der Betrieb der Notfall-Hotline des Frankfurter Netzwerkes für Suizidprävention stand auf der Kippe, weil es keine Anschlussfinanzierung gab. Das hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 17. Mai berichtet. Innerhalb weniger Tage entschied daraufhin die Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung, das lebenswichtige Angebot im nächsten Jahr mit 50.000 Euro zu unterstützen – und hat sogar eine Dauerförderung in Aussicht gestellt.
Wenn Menschen konkrete Suizidgedanken haben, ist schnelle und niedrigschwellige Hilfe entscheidend. Ein Gespräch mit einer geschulten Person kann oft das Schlimmste verhindern und den Betroffenen weitergehende Hilfe vermitteln. Ein solches Angebot ist die Notfall-Hotline, die als Teil des „Frankfurter Projekts zur Prävention von Suiziden mittels evidenzbasierter Maßnahmen“ (Frappe) 2017 ins Leben gerufen wurde. Zahlreiche Menschen haben seitdem angerufen und in einigen Fällen war das wahrscheinlich lebensrettend. Das Angebot ist grundsätzlich auf die Rhein-Main-Region ausgerichtet. Gerade in den letzten Monaten haben aber auch Menschen aus anderen Regionen bei Krisensituationen die Hotline kontaktiert. „Glücklicherweise nicht alle, aber doch etliche davon waren akut suizidal. Das unterstreicht die Bedeutung solcher Angebote“, erklärt Prof. Andreas Reif, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt.
Das Bundesgesundheitsministerium hatte die Suizid-Präventionsarbeit für mehrere Jahre unterstützt, doch die Förderung für Frappe ist Ende 2021 ausgelaufen. Damit war der Betrieb der Hotline in Gefahr. Die Beschäftigten der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt haben versucht, das Angebot parallel zu ihrer regulären Tätigkeit aufrechtzuerhalten. Das konnte aber bei einer ohnehin hohen Arbeitsauslastung keine Dauerlösung sein. Eine deutliche Reduzierung der Erreichbarkeit oder sogar ein Abschalten der Nummer stand im Raum. Über diese Situation und den dringenden Förderbedarf hat am 17. Mai 2022 die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet – mit prompter Wirkung: Die Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung ist durch den Artikel auf die Herausforderungen aufmerksam geworden und hat entschlossen reagiert. Nur wenige Tage später entschied der Beirat der Stiftung, die Suizid-Hotline mit 50.000 Euro in den folgenden 12 Monaten zu fördern. Gleichzeitig wurde eine längerfristige Finanzierung in Aussicht gestellt.
Finanzierung von Präventionsarbeit ist herausfordernd
„Es ist oft herausfordernd, Finanzierung für Präventionsarbeit zu erhalten. Deshalb freuen wir uns umso mehr über die Entscheidung der Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung und sind sehr dankbar. Durch die schnelle Hilfe ist es nun möglich, die Hotline auf absehbare Zeit weiter aufrecht zu erhalten. Damit steht dieses wichtige Instrument, das in der Vergangenheit schon für viele Menschen von großer Bedeutung war, auch weiterhin bei suizidalen Krisen zur Verfügung“, sagt Prof. Reif. Er betont darüber hinaus, dass weitere Unterstützer für die Suizidprävention gesucht werden: „Es besteht auch Bedarf für eine Förderung des geplanten Zentrums für Suizidprävention. Ziel ist dabei unter anderem die Erhebung besserer Daten, um dadurch noch gezieltere Prävention betreiben zu können. Die jetzt zugesagte Förderung ist aber bereits ein ganz wichtiger Schritt.“
Über die Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung
Die 2018 gegründete Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung eines Frankfurter Ehepaars fördert das Universitätsklinikum Frankfurt und die Goethe-Universität umfangreich in den Bereichen Psychotherapie, Psychiatrie und Psychosomatik. Treuhänder der Stiftung ist die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität.
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Andreas Reif
Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 52 22
E-Mail: andreas.reif@kgu.de
Internet: www.kgu.de