29. September 2025 – Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
Der am 28.09. ausgestrahlte Tatort hat mit einem sehr zugespitzten Szenario gespielt: Implantierbare Defibrillatoren, die bei Personen mit einer Gefährdung durch einen plötzlichen Herztod durch bösartige Rhythmusstörungen eingesetzt werden, wurden gezielt gehackt bzw. manipuliert und wurden so zur tödlichen Gefahr für Patientinnen und Patienten. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK), versteht, dass eine solche Darstellung Ängste auslösen kann – gerade bei Menschen, die selbst ein Herzimplantat tragen.
Als Fachgesellschaft möchten wir klarstellen:
- Implantierbare Defibrillatoren sind sichere und lebensrettende Medizinprodukte. Sie werden weltweit millionenfach eingesetzt und retten täglich viele Leben. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 20.000 (Stand: 2022) ICD-Eingriffe durchgeführt.
- Die im Film gezeigte Manipulation ist ein extrem überspitzt dargestelltes Szenario. In der Realität gelten strenge europäische und internationale Sicherheitsstandards für Medizinprodukte. Die Systeme sind so konzipiert, dass ein Fremdzugriff nahezu auszuschließen ist und bisher auch noch nie berichtet wurde.
- Cybersicherheit ist ein ernstzunehmendes Thema. Hersteller und Zulassungsbehörden arbeiten kontinuierlich daran, Geräte maximal gegen Fremdzugriffe abzusichern und entsprechende Schutzmechanismen weiterzuentwickeln.
Wir begrüßen, dass der Tatort die Aufmerksamkeit auf die zunehmende Bedeutung von IT-Sicherheit im Gesundheitswesen lenkt, gleichzeitig möchten wir betonen: Patientinnen und Patienten können Defibrillatoren vertrauen. Die Nutzen-Risiko-Bilanz ist eindeutig: Die Geräte retten Leben und sind sicher.
Prof. Dr. David Duncker, Leiter des Hannover Herzrhythmus Centrums an der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Mitglied des Nukleus der Arbeitsgruppe Elektrophysiologie und Rhythmologie (AGEP) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie sowie e-Cardiology-Experte, ordnet ein: „In der Realität ist das Risiko eines gezielten Hackerangriffs auf implantierbare Defibrillatoren – kurz ICDs – sehr unwahrscheinlich. Die Systeme sind durch mehrere Sicherheitsmechanismen geschützt, erfordern einen direkten physischen oder äußerst spezifischen digitalen Zugang, und die Hersteller arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung und Aktualisierung der Sicherheitssysteme.“
Fazit: Während Cybersicherheit im medizinischen Bereich zurecht zunehmende Aufmerksamkeit erhält, besteht für Trägerinnen und Träger von Herzimplantaten kein Grund zur Sorge. Die bestehenden Schutzmechanismen und regulatorischen Anforderungen bieten einen hohen Sicherheitsstandard.
Medienkontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
Pressesprecher: Prof. Dr. Michael Böhm (Homburg/Saar)
Pressestelle: Jill Graw, Tel.: 0211 600 692 967
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