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Die Schlaganfallforschung und -therapie gewinnt an Bedeutung, weil Schlaganfälle aufgrund der demographischen Entwicklung der in Deutschland immer älter werdenden Gesellschaft deutlich zunehmen werden. Prof. Dr. Christian Grefkes-Hermann hat zum Jahresbeginn die Leitung der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Frankfurt übernommen. Der international ausgewiesene Schlaganfall-Experte hat das Ziel, den renommierten Standort Frankfurt unter Einsatz moderner Interventions- und Stimulationsverfahren zu einem deutschen Spitzenzentrum auszubauen.
Bei einem Schlaganfall werden Arterien im Gehirn durch einen Blutpfropfen oder Gefäßverkalkung verschlossen oder es platzt ein Gefäß im Gehirn. In Deutschland erleiden rund 270.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall. Zwar hat sich die Sterblichkeit in den vergangenen 25 Jahren beinahe halbiert, dagegen überleben immer mehr Patientinnen und Patienten mit alltagsrelevanten Behinderungen. Die Folgen können gravierende Sprach- und Sehstörungen und Lähmungserscheinungen sein. Der Hirninfarkt ist häufig ein einschneidendes Ereignis im Leben, weil grundlegende Fähigkeiten verloren gehen und mühsam wieder erlernt werden müssen. Die Erkrankung „Schlaganfall“ stellt in Deutschland die häufigste Ursache für eine erworbene Behinderung dar. Der größte Risikofaktor für Schlaganfall ist das Alter. Angesichts der demographischen Entwicklung gehen Forscher von einer deutlichen Zunahme der Erkrankung in den nächsten 10 bis 20 Jahren aus.
Prof. Dr. Christian Grefkes-Hermann ist ausgewiesener Experte in der Erforschung motorischer Netzwerke des Gehirns und der Rehabilitation motorischer Störungen nach Hirnschädigungen. In zahlreichen Studien ist der 46-Jährige der Frage nachgegangen, was bei einem Schlaganfall im Gehirn passiert und mit welchen Therapien das Gehirn unterstützt werden kann, um die Folgen des Schlaganfalls bestmöglich zu kompensieren.
Prof. Dr. Grefkes-Hermann hat zum Jahresanfang 2023 die Leitung der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Frankfurt angetreten. Hier möchte er die Schlaganfalltherapien auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten anpassen, um somit einen größtmöglichen Effekt auf die Funktionserholung zu erzielen.
„Wir freuen uns sehr, dass Prof. Dr. Grefkes-Hermann dem Ruf für die Professur für Neurologie an die Goethe-Universität gefolgt ist“, sagt Prof. Dr. Stefan Zeuzem, Dekan der Medizinischen Fakultät und Direktor der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Frankfurt. „Seine Arbeiten auf dem Gebiet der Neurorehabilitation und Neuromodulation haben gezeigt, wie Faktoren einer erfolgreichen Funktionserholung nach einem Schlaganfall identifiziert und wie sie mittels Hirnstimulation positiv beeinflusst werden können. Dieses translationale Denken und Handeln ist genau der Ansatz, den wir für die Weiterentwicklung unseres Neuro-Standorts brauchen.“
Hirnstimulation nach individueller Netzwerkanalyse des Gehirns
Mit seiner Forschung konnte Prof. Dr. Grefkes-Hermann zeigen, wie sich das motorische Netzwerk des Gehirns nach einem Schlaganfall verändert und welche Hirnregionen den Heilungsprozess blockieren. Seine Erkenntnis: Mit Hilfe der sogenannten transkraniellen Magnetstimulation (TMS) können krankhaft veränderte Netzwerkknoten im Gehirn gezielt angeregt werden. Bei diesem nicht-invasiven Hirnstimulationsverfahren wird durch ein Magnetfeld ein schwacher elektrischer Strom in der Hirnrinde erzeugt, wodurch die Erregbarkeit von Nervenzellen beeinflusst werden kann. Dadurch wird die Kommunikation von Nervenzellen in verbundenen Hirnregionen verändert, je nachdem ob eine Region überaktiv oder unteraktiv ist. Die Hirnstimulation für die individuelle Netzwerkstörung einer Patientin oder eines Patienten zu adaptieren, ist eines der Ziele von Prof. Dr. Grefkes-Hermann am Universitätsklinikum Frankfurt.
„Hirnstimulationsverfahren können bei Schlaganfallpatienten zu einer Verringerung von motorischen oder sprachlichen Defiziten und somit zu mehr Lebensqualität führen“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Frankfurt. „Die Therapieansätze von Prof. Dr. Grefkes-Hermann fügen sich hervorragend in das medizinische Konzept am Universitätsklinikum Frankfurt ein: die Behandlung so genau wie möglich auf die persönlichen Merkmale der Betroffenen individuell zuzuschneiden. Davon können wir als Universitätsklinikum, aber vor allem unsere Patientinnen und Patienten profitieren.“
Prof. Dr. Grefkes-Hermann freut sich auf die Aufgabe: „Ich komme an einen international sehr renommierten Standort mit klinisch wie wissenschaftlich herausragenden Kolleginnen und Kollegen.“ Für den neuen Direktor der Klinik für Neurologie ist vor allem die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachgebieten wie der Neuroradiologie, Neurochirurgie, Psychiatrie, Kardiologie, Gefäßchirurgie sowie der Infektiologie, Neuropathologie, Psychosomatik und Palliativmedizin wichtig, um den Patientinnen und Patienten interdisziplinäre Spitzenmedizin aus einer Hand anbieten zu können. „Einen besonderen Schwerpunkt möchte ich in der Weiterentwicklung in der Behandlung von Schlaganfallpatienten setzen, sowohl in der Notfallversorgung als auch in der postakuten Therapie unter Einsatz modernster Hirnstimulationsverfahren“, so Grefkes-Hermann. „Darüber hinaus beabsichtige ich auch, zusätzlich zu den bereits exzellenten Schwerpunkten im Bereich Epilepsie und Neuroonkologie die Stärkung weiterer neurologischer Schlüsseldisziplinen wie der Neuroimmunologie und der Neurodegeneration voranzutreiben, um als Zentrum der Supramaximalversorgung der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet eine optimale neurologische Versorgung anbieten zu können.“
Vom Rhein an den Main gewechselt
Prof. Dr. Christian Grefkes-Hermann wurde im niederrheinischen Krefeld geboren. Er absolvierte ein Medizinstudium in Düsseldorf, Sydney und London. Nach einer Assistenzarztzeit am Universitätsklinikum der RWTH Aachen setzte er seine Karriere an der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Uniklinik Köln fort. Neben seiner klinischen Tätigkeit leitete er von 2007 bis 2014 eine Forschungsgruppe der Max-Planck-Gesellschaft mit dem Schwerpunkt „Neuromodulation und Neurorehabilitation“. Nach seiner Habilitation im Jahr 2011 wurde er im Jahr 2013 auf die Professur für Schlaganfall und Neurorehabilitation der Universität zu Köln berufen und leitete zusätzlich eine Arbeitsgruppe am Institut für Neurowissenschaften und Medizin des Forschungszentrums Jülich. Klinisch war Prof. Dr. Grefkes-Hermann von 2013 bis zu seinem Wechsel nach Frankfurt als Oberarzt, zuletzt als Leitender Oberarzt an der Uniklinik Köln tätig. Er ist außerdem aktives Mitglied mehrerer Fachgesellschaften, unter anderem als designierter Präsident der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN). Seine Forschungen wurden mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem renommierten Wissenschaftspreis der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Seit 2021 ist Prof. Dr. Grefkes-Hermann Stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs 1451 „Motorische Kontrolle“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Am Universitätsklinikum Frankfurt tritt Prof. Dr. Grefkes-Hermann die Nachfolge von Prof. Dr. Helmuth Steinmetz an, der sich nach 25-jähriger Dienstzeit Ende 2022 in den Ruhestand verabschiedet hat.
Bildmaterial:.
Prof. Dr. Christian Grefkes-Hermann ist seit Anfang des Jahres 2023 Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Frankfurt
Download unter: www.kgu.de/pressefotos
Der Abdruck des Fotos ist kostenfrei.
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Christian Grefkes-Hermann
Direktor der Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 57 69
E-Mail: christian.grefkes-hermann@unimedizin-ffm.de
Internet: www.kgu.de
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