- News
- Patientenversorgung
Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention. Das Universitätsklinikum Frankfurt stellt zu diesem Anlass zwei neue Projekte vor, die Betroffenen und Behandlern helfen werden: eine nationale Leitlinie zum Umgang mit Suizidalität sowie ein Angebot zur lokalen Krisenintervention in besonders betroffenen Frankfurter Stadtteilen.
Der Welttag zur Suizidprävention soll Aufmerksamkeit schaffen für ein oftmals verdrängtes Problem: Allein in Deutschland nehmen sich fast 10.000 Menschen jedes Jahr das Leben. Schätzungsweise 200.000 begehen einen Suizidversuch. Die Dunkelziffer könnte noch höher sein, denn viele Suizidversuche werden gar nicht erst erfasst. Außerdem sind bei jedem erfolgten Suizid acht bis zehn weitere Menschen als Angehörige davon betroffen, also noch einmal bis zu 100.000 Personen.
Wissen über Behandlung fehlt
Dabei ist Suizid in vielen Fällen vermeidbar, wenn gefährdete Menschen früh genug richtig behandelt werden. Doch trotz der bedenklich hohen Zahlen an Betroffenen gibt es nach wie vor viel Unwissenheit und Vorurteile zum Thema Suizidalität - auch im Gesundheitssektor. Denn es gibt bislang keine einheitlichen, wissenschaftlich fundierten Behandlungsempfehlungen.
So gilt beispielsweise ein vorheriger Suzidiversuch als einer der größten Risikofaktoren für einen Suizid. Anders gesagt: Wer schon einmal versucht hat, Suizid zu begehen, wird es mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder tun. Doch selbst wenn Menschen nach Suizidversuchen beispielsweise durch den Notdienst behandelt werden, erfolgt oft keine Weiterbetreuung, die sich den Ursachen der Suizidalität widmet: In Frankfurt wird nur circa jeder vierte Patient nach einem Suizidversuch in einer psychiatrischen Klinik vorgestellt. Auch Hausärzte sind eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in suizidalen Kreisen. Gerade bei älteren Patientinnen und Patienten besteht hier oft ein jahrelanges Vertrauensverhältnis. Gleichzeitig steigt das Suizidrisiko mit dem Alter deutlich. Bislang aber gibt es keine nationale Leitlinie, die Akteuren im medizinischen System eine Handreichung zum Umgang mit suizidalem Verhalten gibt.
Universitätsklinikum setzt sich für Aufklärung ein
Ein von Prof. Andreas Reif, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt, koordiniertes Projekt soll Abhilfe schaffen: Um sowohl medizinischem Fachpersonal als auch Betroffenen und Angehörigen künftig eine wissenschaftlich basierte Hilfestellung an die Hand zu geben, hat eine interdisziplinäre Expertengruppe damit begonnen, eine bundesweit einheitliche S3-Leitlinie zum Umgang mit Suizidalität zu erarbeiten. Das Projekt wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit mehr als 400.000 Euro gefördert.
Als zweites Projekt startet das vom F.A.Z. Spendenprojekt "Leser helfen Lesern" finanzierte LoKI-Frankfurt (Lokale, niedrigschwellige Krisenintervention in Frankfurt). Das Universitätsklinikum hat hier in besonders von Suizidalität betroffenen Frankfurter Stadtteilen ein niedrigschwelliges fachärztliches Beratungsangebot eingerichtet.
Leitlinienerstellung auf Basis interdisziplinärer Expertise
An der Leitlinienerstellung beteiligt sind neben zahlreichen Fachgesellschaften aus den unterschiedlichsten Disziplinen auch Angehörigen- und Patientenverbände. Zudem wird die Gruppe von Fachleuten mit spezifischer Expertise beraten: zu Personengruppen mit besonders erhöhtem Risiko für Suizidalität - beispielsweise Personen mit Migrationshintergrund oder aus dem LGBTQ-Spektrum. Die Leitlinie soll nicht nur die unmittelbare Behandlung suizidaler Personen im ambulanten oder stationären Bereich umfassen, sondern auch auf individuelle Risikofaktoren eingehen und Maßnahmen für Menschen nach Suizidversuchen und ihre Angehörigen umfassen. Damit auch Studierende künftig schon früh im Umgang mit Suizidalität geschult werden, ist auch ein Abgleich mit dem Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) geplant.
Hilfe, wo sie am nötigsten ist - Projekt in Frankfurt
90 Prozent der Suizide in Deutschland gehen auf eine bestehende psychische Erkrankung wie eine Depression zurück. Doch nur zehn Prozent der Menschen mit einer Depression erhalten die richtige Therapie; gut 35 Prozent sind gar nicht in Behandlung - in Frankfurt schätzungsweise 13.000 Menschen. Diese Gruppe will das Universitätsklinikum Frankfurt nun mit dem neuen Projekt LoKI-Frankfurt erreichen.
Die Gründe, warum Betroffene sich nicht in Behandlung begeben, sind vielfältig: Unwissenheit über psychische Erkrankungen oder Wege zur Behandlung, Angst vor den Konsequenzen einer Therapie (beispielsweise Kosten oder Information des Arbeitgebers) und, vor allem, Stigmatisierung. Im Rahmen des Frankfurter Projekts zur Prävention von Suiziden mittels Evidenz-basierter Maßnahmen (FraPPE) hat sich gezeigt, dass diese Menschen kaum mit allgemeinen Angeboten zu erreichen sind. Daher soll nun zunächst in den drei Frankfurter Stadtteilen, die laut den Ergebnissen von FraPPE am häufigsten von Suiziden und Suizidversuchen betroffen sind, ein sehr niedrigschwelliges Beratungsangebot eingerichtet werden.
Krisensprechstunde - anonym und unbürokratisch
Einmal pro Woche oder teils zweiwöchentlich gibt es in den Räumlichkeiten des jeweiligen Quartiersmanagements künftig eine öffentliche Sprechstunde mit einer Fachärztin für Psychiatrie, ohne Anmeldung, kostenfrei und auf Wunsch auch anonym. Die Ärztin kann eine erste Einschätzung zum Gesundheitszustand der Betroffenen vornehmen, ob es sich um psychosoziale Probleme handelt oder eine manifeste psychische Erkrankung. Sie werden dann an entsprechende Angebote weitervermittelt. So können unkompliziert Informationen vermittelt und Ängste abgebaut werden. Das Projekt wird aktuell über die Spendenaktion "F.A.Z. hilft" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gefördert. Ein spezielles Angebot für Studierende ist in Planung.
Welttag der Suizidprävention - Aufmerksamkeit auf ein verdrängtes Problem
Der Welttag der Suizidprävention wird seit 2003 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der International Association for Suicide Prevention (IASP) ausgerufen. Neben Aufklärung und damit Präventionsarbeit geht es immer auch um das Gedenken an die durch Suizid Verstorbenen. Anlässlich des diesjährigen Welttages übergibt das Nationale Suizidpräventionsprogramm außerdem einen umfassenden Bericht zur aktuellen Situation an das Bundesministerium für Gesundheit.
Auch in Frankfurt giebt es wieder besondere Aktionen. So ist das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (FRANS) am 10. September mit einem Infostand im Ostend vertreten; am 12. September findet eine Gedenkzeremonie am Main statt. In der begleitenden Plakatkampagne "Zehntausend Gründe" machen sich Frankfurter Prominente für die Suizidprävention stark, unter anderem Henni Nachtsheim, Kaya Yanar und die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, Prof. Sandra Ciesek.
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Andreas Reif
Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 - 5222
E-Mail: andreas.reif@unimedizin-ffm.de
Internet: www.kgu.de
Herausgeber: Der Vorstand des Universitätsklinikum Frankfurt. Redaktion: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher, Stabsstelle Kommunikation, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Telefon: +49 69 63 01 – 86 44 2, E-Mail: christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de
Unsere Webseite verwendet Cookies. Diese haben zwei Funktionen: Zum einen sind sie erforderlich für die grundlegende Funktionalität unserer Website. Zum anderen können wir mit Hilfe der Cookies unsere Inhalte für Sie immer weiter verbessern. Hierzu werden pseudonymisierte Daten von Website-Besuchern gesammelt und ausgewertet. Das Einverständnis in die Verwendung der Cookies können Sie jederzeit widerrufen. Weitere Informationen zu Cookies auf dieser Website finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und zu uns im Impressum.