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Prof. Marjan van den Akker ist neue Stiftungsprofessorin für Multimedikation und Versorgungsforschung an der Goethe-Universität. Im neugegründeten Frankfurter Forum für Multimorbidität und Multimedikation will sie Forscher, Ärzte und Patienten zusammenbringen.
Ein Drittel aller Patienten in Hausarztpraxen leidet unter mehreren Erkrankungen zugleich. Betroffene werden meist von unterschiedlichen Fachärzten behandelt, die ihre Verschreibungen nicht immer untereinander abstimmen. Viele Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln sind zudem nicht erforscht. Der entstehende Tablettenmix kann nicht nur schwerwiegende Folgen haben; er verunsichert und überfordert auch viele Patienten und teilweise sogar Ärzte und Apotheker.
Strategien zum Umgang mit Multimedikation
„Wenn ich alle Pillen gegessen habe, bin ich satt!“ Das Zitat einer ehemaligen Patientin diente Prof. Marjan van den Akker als Titel ihrer Antrittsvorlesung in Frankfurt am vergangenen Mittwoch. Es ging um Strategien zum Umgang mit Multimedikation, ein Thema, das sie wissenschaftlich und praktisch seit Langem bewegt.
Prof. van den Akker ist Inhaberin der neu geschaffenen Professur für Multimedikation und Versorgungsforschung am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität, die vom Datendienstleistungsunternehmen INSIGHT Health GmbH gestiftet wurde. „Daten an sich haben keinen großen Wert, sondern nur das, was man aus ihnen macht“, stellt Roland Lederer, Gründer und Inhaber der Firma fest.
„Die medizinische Wissenschaft erforscht mit Hochdruck zielgenaue Wirkstoffe gegen unzählige Krankheiten. Doch wie sind die Wechselwirkungen bei Patienten, die mehr als fünf oder zehn Medikamente nehmen? Hier besteht Forschungsbedarf. Gerade als Pharmakologe freue ich mich, dass dank Prof. van den Akker Frankfurt nun noch aktiver ist auf diesem Gebiet“, betont Prof. Josef Pfeilschifter, Dekan und Direktor des Instituts für Allgemeine Pharmakologie und Toxikologie der Frankfurter Universitätsmedizin.
Prof. van den Akker möchte Verordnungsdaten nutzen, um die medizinische Versorgung nachhaltig zu verbessern. Mithilfe von Big Data will sie Maßnahmen entwickeln und erproben, die beim oftmals hochkomplexen Management von Patienten helfen sollen, die viele Arzneimittel zeitgleich einnehmen. „Zunehmend wichtig wird dabei auch, Patienten und deren Angehörige aktiv in die Forschung einzubeziehen“, erklärt sie.
Neues Forum für Multimorbidität und Multimedikation
Begleitend zur neuen Stiftungsprofessur wurde jetzt auch das Frankfurter Forum für Multimorbidität und Multimedikation (FM2) vorgestellt, das ebenfalls von Prof. van den Akker betreut wird. Hier soll interdisziplinär daran geforscht werden, wie man die Versorgung mehrfach erkrankter Patienten weiter verbessern kann. Das Forum soll Interessierten zudem als Plattform zum Austausch über aktuelle Forschungsprojekte und -ergebnisse dienen.
Ein weiterer Schwerpunkt des FM² ist der Transfer von Erkenntnissen aus und in die Praxis: Es verbindet (Haus-)Ärzte, Praxisteams und Patienten multiprofessionell mit universitären Wissenschaftlern.
Zu guter Letzt soll auch der gesundheitspolitische Dialog mit Entscheidern wie Politikern und Kostenträgern, Medienvertretern und der interessierten Öffentlichkeit gefördert werden. Es gilt, aktuellen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen. Maßnahmen, die die Qualität und Effektivität der Versorgung betroffener Patienten verbessern, sollen vorangebracht werden.
Bürgerforum geplant
Im Rahmen eines offenen Bürgerdialogs findet im Februar 2020 das erste FM2-Bürgerforum statt. Das Thema der Veranstaltung, zu der alle Interessierten eingeladen sind, lautet: „Gemeinsam klug entscheiden bei oder trotz Multimorbidität“. Mit dabei sind Prof. Achim Schmidtko vom Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie der Goethe-Universität sowie Dr. Armin Wunder, Hausarzt in Frankfurt.
Der Aufbau von FM2 wird durch eine gemeinsame Unterstützung von INSIGHT Health und der BARMER für einen Zeitraum von sechs Jahren ermöglicht. Die BARMER unterstützt das FM2-Bürgerforum vor dem Hintergrund, dass immer mehr Menschen in Deutschland multimorbide sind und daher zahlreiche Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. „Schon heute sind rund 20 Millionen Menschen in Deutschland von Polypharmazie betroffen. Angesichts der alternden Gesellschaft dürfte diese Zahl noch weiter steigen. Von dem FM2-Bürgerforum versprechen wir uns wertvolle Impulse, wie wir diese Herausforderung meistern und die Versorgung der Betroffenen besser und sicherer gestalten können“, sagt der Vorstandsvorsitzende der BARMER,
Prof. Dr. Christoph Straub.
Versorgungsforschung mit direktem Praxisbezug am Institut für Allgemeinmedizin
Sowohl die Professur als auch FM2 sind in das Institut für Allgemeinmedizin der Goethe Universität eingebettet. Prof. Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts, sagt: „Wir freuen uns sehr, dass wir Frau Prof. van den Akker für Frankfurt gewinnen konnten. Sie passt perfekt in das Institut für Allgemeinmedizin. Hier werden bereits seit Längerem Themen wie chronische Krankheit und Versorgungsforschung, klinische Entscheidungsunterstützung, Qualitätsförderung und Patientensicherheit bearbeitet. Der enge Kontakt zu den rund 400 hausärztlichen Lehr- und Forschungspraxen, die dem Institut verbunden sind, gewährleistet den erforderlichen Praxisbezug und bietet darüber hinaus die Möglichkeit, neue Erkenntnisse direkt in die Aus- und Weiterbildung sowie in die Regelversorgung umzusetzen.“
Vita: International versierte Expertin für Multimedikation
Prof. van den Akker stammt aus dem niederländischen Veghel und hat ihre Ausbildung an der Universität von Maastricht absolviert. Sie promovierte zu mehrfach erkrankten Patienten in der Hausarztpraxis. Seit dem Jahr 2010 ist Prof. van den Akker in Teilzeit als Gastdozentin in Leuven/Belgien aktiv. Im selben Jahr war sie zudem am Karolinska-Institut in Stockholm tätig. 2012 hatte sie bereits eine Gastprofessur am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität inne, wohin sie nun zurückgekehrt ist.
Über INSIGHT Health
Als Datendienstleister für den Gesundheitsmarkt schafft INSIGHT Health Transparenz im Gesundheitswesen und damit auch in der Arzneimittelversorgung. Dabei beruht der Erkenntnisgewinn nicht nur auf der zur Verfügung stehenden Datenmenge, sondern es kommt vielmehr auf deren zweckmäßigen Einsatz an. Dazu ist es unerlässlich, Kompetenzen zu bündeln und einen intensiven Austausch zwischen den Akteuren zu fördern – auch und gerade beim Thema Multimedikation. Daher engagiert sich das Unternehmen schon seit zwei Jahrzehnten für eine bessere Arzneimittelversorgung, wozu nun auch die Stiftungsprofessur gehört.
Über die BARMER
Die BARMER betreut 9,1 Millionen gesetzlich Versicherte und gehört zu den größten Krankenkassen in Deutschland. 400 Geschäftsstellen bundesweit, moderne Onlineservices und eine durchgängig erreichbare Telefongeschäftsstelle gewährleisten eine zügige Erledigung der Kundenanliegen. Einen Schwerpunkt legt die BARMER darauf, ihren Versicherten möglichst frühzeitig den Zugang zu Innovationen mit einem tatsächlichen medizinischen Mehrwert zu ermöglichen. Damit trägt sie zu einer bestmöglichen und zugleich sicheren Versorgung bei.
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