Skip to main content

Was ist ein Reflux?

Als gastroösophageale Refluxerkrankung – kurz GERD – bezeichnet man den Rückfluss, also Reflux, von Magensäure und Gallensaft in die Speiseröhre. Ungefähr 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind von dieser Erkrankung betroffen und leiden unter Sodbrennen, häufig begleitet von intensiven Schmerzen im Brustkorb, insbesondere hinter dem Brustbein. Mit verschiedenen Untersuchungen, wie einer Magenspiegelung oder auch einer pH-Metrie, kann die Refluxerkrankung diagnostiziert und behandelt werden.

Die primäre Behandlung der Refluxerkrankung umfasst zunächst die Gabe von Medikamenten zur Hemmung der Säureproduktion des Magens und eine Ernährungsumstellung sowie den Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Dadurch werden in den meisten Fällen die Beschwerden reduziert oder beendet. Bei fortgeschrittenen Stadien der Refluxerkrankung oder in Fällen, in denen sie nicht gut auf die Medikamente anspricht, kann eine Operation notwendig werden. 

 

Symptome der Refluxkrankheit

Die typischen Beschwerden der Refluxkrankheit sind Sodbrennen, Schluckbeschwerden und Übelkeit. Oft verschlimmern sich die Beschwerden beim Liegen oder auch beim Bücken, weil die Körperhaltung aufgrund der Schwerkraft den Rückfluss der Magensäure aus dem Magen in die Speiseröhre fördert. Auch ein brennender Schmerz oder/und ein Druckgefühl hinter dem Brustbein sind typische Beschwerden. Weitere Symptome können Halsschmerzen und Heiserkeit sein. 

Ursachen der Refluxkrankheit

Reflux kann verschiedene Ursachen haben. Häufig liegt eine Funktionsstörung des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen vor. Auch ein Zwerchfellbruch, eine verzögerte Magenentleerung, Störungen der Speiseröhrenbeweglichkeit oder Übergewicht können die Entstehung und Ausprägung der Beschwerden begünstigen.

Diagnostik bei Refluxbeschwerden

Treten bei Ihnen refluxtypische Beschwerden auf, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt oder Ihre Ärztin konsultieren, um die notwendigen medizinischen Untersuchungen vornehmen zu lassen. Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Refluxerkrankung ist zunächst die hausärztliche Praxis, die Sie im Idealfall in ein Refluxzentrum überweist. In der Regel ist eine Magenspiegelung und/oder eine Langzeit-pH-Metrie und eine Manometrie für eine eindeutige Diagnosestellung notwendig. In unserer Klinik erfolgen diese hochsensiblen Untersuchungen nach einem festen Ablaufplan, der den Betroffenen eine sichere Diagnose gewährleistet.

Magenspiegelung
Eine wichtige Untersuchungsmethode bei Verdacht auf eine gastroösophageale Refluxerkrankung ist die so genannte Magenspiegelung (Gastroskopie). Bevor Sie zu einer Magenspiegelung kommen, dürfen Sie ungefähr 6 Stunden vor der medizinischen Untersuchung weder feste noch flüssige Nahrung zu sich nehmen. Während der Untersuchung liegen Sie auf der Seite und werden kurzzeitig in eine leichte Narkose versetzt. Der Arzt oder die Ärztin schiebt einen Schlauch mit einer Kamera durch die Speiseröhre in den Magen bis zum Zwölffingerdarm. Durch die Magenspiegelung kann das ärztliche Team beurteilen, ob eine Refluxerkrankung und eine Schädigung der Schleimhaut vorliegen. Die Entnahme von Gewebeproben, die von der Pathologie unter dem Mikroskop untersucht werden, untermauert die Diagnose.

pH-Metrie
Eine weitere wichtige Untersuchung ist die pH-Wert-Messung (Langzeit-pH-Metrie) unmittelbar in der Speiseröhre. Während der pH-Metrie wird Ihnen ein dünner Schlauch mit einer Sonde durch die Nase bis zu der Speiseröhre und bis in den Magen geschoben. Mithilfe dieser Sonde wird dann der pH-Wert, das heißt der Säurewert, in der Speiseröhre gemessen. Oftmals bekommen Patientinnen und Patienten während der Behandlung eine Rachenbetäubung. Die Sonde ist verbunden mit einem Messgerät, das Sie während der gesamten Untersuchung unmittelbar bei sich tragen. Des Weiteren müssen Sie ein Stundenbuch hinsichtlich der Mahlzeiten sowie der Aktivitäten während des Tages und der Nacht schriftlich darlegen. Die Messungen der Sonde sowie Ihre Aufzeichnungen werden anschließend vom Spezialisten-Team ausgewertet, um die Refluxerkrankung zu bestätigen oder auszuschließen. Bei einem pH-Wert von vier oder weniger in der Speiseröhre bei mehr als 10 Prozent der Messungen im gesamten Zeitraum kann eine Refluxerkrankung eindeutig diagnostiziert werden.

Reflux-Therapie

Beschwerden der Refluxerkrankung sollten behandelt werden, denn eine rechtzeitige und adäquate Therapie verhindert Komplikationen. Die Behandlungsmethoden umfassen ein Spektrum von allgemeinen Empfehlungen, Hausmitteln, Ernährungstipps und der Gabe von Medikamenten bei einer leichten Refluxerkrankung bis zu einem operativen Eingriff bei einer schweren oder therapieresistenten Refluxerkrankung.

Bei einer leichten Refluxerkrankung können einfache Alltagstipps helfen, Beschwerden zu lindern. So hilft es Betroffenen, während der Nacht mit einem leicht erhöhten Oberkörper zu schlafen. So wird die natürliche Schwerkraft effektiv genutzt, um den Rückfluss von Magensäure zu verhindern. Auch eine regelmäßige körperliche Aktivität mit daraus folgender Gewichtsabnahme bei Übergewicht ist sinnvoll, um so die Druckerhöhung im Bauchraum zu reduzieren und die natürliche Verdauung aktiv anzuregen.

Viele Menschen benutzen traditionelle Hausmittel gegen die Beschwerden der Refluxerkrankung – vor allem gegen das Sodbrennen. Ein solches Hausmittel ist beispielsweise das Bullrich-Salz. Es besteht aus Natriumhydrogenkarbonat, das eine natürliche Neutralisierung der Magensäure bewirkt. Ein weiteres bekanntes Hausmittel ist Kamillentee. Er hat anti-entzündliche Eigenschaften und reduziert die Magensäureproduktion.

Ernährungsempfehlungen
Wenn Sie von Reflux betroffen sind, sollten Sie proteinreiche Nahrung essen, da dadurch eine vermehrte Produktion des Peptidhormons Gastrin ausgelöst wird. Das Hormon Gastrin steigert die Muskelspannung des Schließmuskels der Speiseröhre. Mahlzeiten sollten außerdem ausreichend lange vor dem Schlafen eingenommen werden. So kann sichergestellt werden, dass der Magen sich entleert hat. Weiterhin gilt es, den Alkoholkonsum zu reduzieren oder vollkommen zu vermeiden, da Alkohol unmittelbar die Schleimhaut schädigt und eine Erschlaffung des unteren Schließmuskels der Speiseröhre bedingt. Die negative Wirkung von Kaffee ist bei Medizinern umstritten, weil Kaffee einerseits die Magensäureproduktion anregt, jedoch das Koffein auch die Produktion des Hormons Gastrin steigert. Auch das aktive oder passive Rauchen sollte vermieden werden, denn Nikotin führt zu einer vermehrten Magensäureproduktion.

Medikamentöse Behandlung
Seit mehreren Jahrzehnten haben sogenannte Protonenpumpenhemmer dafür gesorgt, dass operative Eingriffe am Magen drastisch abgenommen haben. Durch diese Medikamente wird die Produktion der Magensäure stark reduziert. Entsprechend gelten sie zur Behandlung der Refluxkrankheit, von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, als Teil der Behandlung bei Helicobacter-Infektionen und beim Zollinger-Ellison-Syndrom als wichtige Grundpfeiler. Die Medikamente sind in der Regel gut verträglich und der Großteil der Behandelten hat unter der Therapie keine Beschwerden. Nichtsdestotrotz ist die Langzeitbehandlung mit Protonenpumpenhemmern zum Teil mit erheblichen Nebenwirkungen wie Osteoporose, Nierenproblemen, Diarrhoe und einem erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden. H2-Rezeptorenblocker, wie z. B. Ranitidin, hemmen die Bildung der Magensäure und gelten als Ersatzmedikament, sofern Protonenpumpenhemmer nicht verabreicht werden können. Antazida können ein effektives Mittel für die Neutralisierung der Magensäure sein, wirken jedoch deutlich weniger ausgeprägt als Protonenpumpenhemmer und H2-Rezeptorantagonisten. Diese Medikamente sind gut verträglich und können rezeptfrei erworben werden.

Chirurgie: Operation bei austherapiertem Reflux
Wenn Beschwerden trotz konservativer Behandlung bestehen bleiben, eine ausgeprägte Zwerchfellhernie vorliegt oder eine dauerhafte Lösung angestrebt wird, kann eine Reflux-Operation sinnvoll sein. Dabei wird die natürliche Barriere zwischen Magen und Speiseröhre wiederhergestellt und die Zwerchfelllücke rekonstruiert.
Die laparoskopische Refluxchirurgie ist eine besondere Spezialisierung unserer Abteilung. Wir verfügen über langjährige Erfahrung in der operativen Behandlung von Refluxerkrankungen und Zwerchfellhernien – auch bei komplexen Befunden und nach Voroperationen. Bei besonders komplexen Fällen kann auch eine roboter-assistierte Operation vorgenommen werden.