Grundlagen und Diagnostik

Bei Arachnoidalzysten handelt es sich um mit Liquor gefüllte intra-arachnoidale (med.: Arachnoidea = Spinnengewebshaut) Ansammlungen, die an verschiedenen Stellen im Gehirn liegen können. Arachnoidalzysten sind angeborene außerhalb des Gehirns liegende Zysten, die durch eine einzelne Schicht arachnoidaler Zellen gekennzeichnet sind. Zusammenfassend kann man sagen, dass Arachnoidalzysten durch folgende Aspekte charakterisiert werden: a) eine Lage im Intraarachnoidalraum, also zwischen den zwei Blättern der Arachnoidea; b) das Vorhandensein einer Außen- und Innenwand; c) die Zystenwand besteht aus Arachnoidalzellen und Kollagen; und d) die Zyste enthält Liquor-ähnlichen Inhalt.

Die Größe der Arachnoidalzysten kann von Kind zu Kind enorm schwanken. In Abhängigkeit von der Lage und der Größe kann es allein durch den raumfordernden Effekt zu klinischen Beschwerden kommen. Es besteht bei größeren Zysten ebenfalls immer das Risiko einer spontanen Einblutung mit klinischer Verschlechterung des Kindes.

Der Großteil der Zysten ist klein und muss erfreulicherweise nicht operiert werden. Bei größeren Arachnoidalzysten handelt es sich immer um eine individuelle Entscheidung, ob eine Operation sinnvoll ist. Hier beraten wir die Eltern gerne in unserer Sprechstunde und können so gemeinsam mit der Familie einen Therapieplan festlegen. Die Einholung einer Zweitmeinung ist ebenfalls jederzeit möglich.

Behandlungsmöglichkeiten

Entscheidend für die Behandlung eines Kindes mit einer Arachnoidalzyste ist die Größe als auch der anatomische Lagebezug zu anderen Hirnwasserräumen (Zisternen). Das Grundprinzip der Behandlung besteht darin, eine Verbindung der unter Druck stehenden Zyste zum regulären Liqorraum herzustellen. Hierdurch kommt es zu einem langsamen Druckausgleich, die Arachnoidalzysten werden kleiner und der Druck auf das umliegende Gewebe besteht nicht länger. Die von der Zystenwand produzierte Flüssigkeit kann so auch lange nach der eigentlichen Operation ungehindert ablaufen.

In der Literatur werden 3 Behandlungsoptionen genannt: die mikrochirurgische Fensterung der Zyste, die endoskopische Fensterung der Zyste und die Anlage eines zystoperitonealen Shunts. Aus unserer Sicht sollte die Implantation eines zystoperitonealen Shunts wenn immer möglich vermieden werden und ist somit nur speziellen Ausnahmefällen vorbehalten.

Endoskopische Fensterung

Über ein zuvor geplantes Bohrloch kann mittels endoskopischem Verfahren in minimal invasiver Technik eine Fensterung zwischen der Arachnoidalzyste und den basalen Zisternen angelegt werden. Bei uns werden alle endoskopischen Eingriffe zur Fensterung einer Arachnoidalzyste in Kombination mit der Neuronavigation durchgeführt. So haben wir in Echtzeit die Möglichkeit uns auf den Millimeter genau zu orientieren. Dies erhöht zusätzlich die Sicherheit für unsere kleinen Patienten.

Durch die angelegte Verbindung kann die unter Druck stehende Zystenflüssigkeit über das Hirnwassersystem ablaufen. Die Zysten zeigen sich auf in Folge durchgeführten MRT Bildern kleiner, der Druck auf das umliegende Gehirngewebe besteht nicht länger.

Mikrochirurgische Fensterung

Kann auf endoskopischem Weg lagebedingt keine Verbindung zwischen der Arachnoidalzyste und der basalen Zisterne hergestellt werden, oder handelt es sich um ein Kind bei dem es zu einem Verschluss einer zuvor angelegten Öffnung gekommen ist, so stellt die offene mikrochirurgische Fensterung eine sehr gute Therapieoption dar. Hier wird über eine kleine Öffnung des Schädels (Kraniotomie) unter dem Mikroskop eine Verbindung der Arachnoidalzyste zu einem verfügbaren Hirnwasserraum hergestellt.

Durch die angelegte Verbindung kann analog zur endoskopischen Fensterung die unter Druck stehende Zystenflüssigkeit über das Hirnwassersystem ablaufen. Die Zysten zeigen sich auf in Folge durchgeführten MRT Bildern kleiner, der Druck auf das umliegende Gehirngewebe besteht nicht länger.

Verlaufskontrollen

Die erste Kontrolle erfolgt 2 Wochen nach der Operation zur Wundkontrolle. Nach ca. 3 Monaten wird die MRT Bildgebung wiederholt. Hier kann die erste verlässliche Aussage über den Erfolg der Behandlung getroffen werden. Danach empfehlen wir jährliche Verlaufskontrollen für 2-3 Jahre. Eine erneute Bildgebung ist bei zufriedenstellendem MRT Befund der 3 Monatskontrolle nur bei neuen Beschwerden sinnvoll.