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Die Arbeitsgruppe Geschichte der Psychiatrie befasst sich mit der Geschichte der Psychiatrie im 20. Jahrhundert.  Der Fokus liegt auf der Regionalgeschichte der Frankfurter Nervenklinik und ihre Verstrickungen in die Medizinverbrechen im Nationalsozialismus.

Über die Forschungsgruppe

Die Arbeitsgruppe befasst sich vor allem mit der Frage, inwieweit die Verantwortlichen der Frankfurter Nervenklinik in die NS-Psychiatrieverbrechen involviert waren. Untersucht wird empirisch und qualitativ, wie sich die Verantwortlichen zur Zwangssterilisation und der NS-„Euthanasie“ verhielten. Dabei stellt sich vor allem die Frage nach genutzten und ungenutzten Handlungsspielräumen und nach personellen und ideengeschichtlichen Kontinuitäten vor 1933 und nach 1945. Damit sollen auch für die heutige klinische und wissenschaftliche Praxis Reflexionsprozesse angestoßen werden.

Forschungsschwerpunkte

• Geschichte der Psychiatrie im 20. Jahrhundert

• NS-„Euthanasie“

• Zwangssterilisationen

• Eugenik

• Human Remains

Aktuelle Projekte/Studien

Die Verlegungspolitik der Frankfurter Nervenklinik im Nationalsozialismus

Universitätsnervenkliniken waren von der NS-„Euthanasie“ ausgenommen und es fanden dort keine systematischen Morde statt. Gleichwohl wurden Menschen aus den Nervenkliniken in Heil- und Pflegeanstalten verlegt, obwohl die Verantwortlichen wussten, dass die Menschen dort ermordet werden. Im Projekt wird empirisch untersucht, ob es mit Bekanntwerden der NS-„Euthanasie“ zu einer Veränderung der Verlegungspolitik in der Frankfurter Nervenklinik kam.

 

Die Neuropathologische Forschungsabteilung der Frankfurter Nervenklinik

Karl Kleist, der Direktor der Frankfurter Nervenklinik von 1920 bis 1945 leistete neuropathologische Grundlagenforschung. Bislang fehlen Übersichtsarbeiten, wie diese Forschung in der Praxis ausgesehen hat und welche Verbindungen zwischen neuropathologischer Forschungsabteilung, den klinischen Abteilungen in der Nervenklinik, aber auch zu anderen Forschenden auf dem Gebiet sowie zu den umliegenden Heil- und Pflegeanstalten bestanden haben. Ein Besonderer Fokus im Projekt liegt auf der Identifikation von Opfer der „Euthanasie“, deren Gehirne nach der Ermordung entnommen wurden und an die Frankfurter Nervenklinik zur weiteren Untersuchung geschickt wurden.

 

Eugenik an der Frankfurter Nervenklinik

In dem Projekt wird untersucht, wie sich die Frankfurter Nervenklinik praktisch an Zwangssterilisationen beteiligte. Dabei werden die erbbiologischen Forschungen und die Beteiligungen an Zwangssterilisationen nicht nur im Kontext einer Befürwortung oder Ablehnung eugenischer Maßnahmen betrachtet, sondern als Prozesse, in denen standespolitische Interessen und wissenschaftliche Theorien diskutiert und vertreten wurden.

Team

Leitung 

Dr. Moritz Verdenhalven, Oberarzt
moritz.verdenhalven@unimedizin-ffm.de

Team-Mitglieder

• Ataraxia Hofstädter, Medizindoktorandin

• Leonie Weinwurm, Medizindoktorandin

• Patricia Greinacher, Medizindoktorandin

• Philipp Winghart, Medizindoktorand

• Selina Hoppstein, Medizindoktorandin

• Yantra Joschko, Medizindoktorandin

• Catherine Rohling, Masterstudierende Provenienzforschung

Publikationen

Verdenhalven M. Konflikte und Kooperation. Die Universitätsnervenklinik Frankfurt und die »Zwischenanstalten« des Bezirksverbandes Hessen-Nassau, in Döre S, Karl T, Mecking S: »Zwischenanstalten« im Nationalsozialismus. Dynamiken von Vernachlässigung und Vernichtung. Frankfurt/New York, 2025

Verdenhalven M, Vale A, Hofstädter A. Verlegungsraten der Universitätsnervenklinik Frankfurt am Main im Nationalsozialismus. Nervenarzt. 2023 Jul;94(7):640-646. doi: 10.1007/s00115-023-01484-6. Epub 2023 Apr 28.

Vortrag: „Die Universitätsnervenklinik Frankfurt am Main im Nationalsozialismus. Zwischen Krankenversorgung, Eugenik und NS-»Euthanasie«“ in Kooperation mit dem Fritz Bauer Institut: https://video01.uni-frankfurt.de/Mediasite/Play/d07f1c77158c489da47e844007667f841d