Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Forschung
Suicide Research
Adresse
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Universitätsklinikum Frankfurt
Heinrich-Hoffmann-Straße 10
60528 Frankfurt am Main
Kontakt
Prof. Dr. med. Ute Lewitzka
lewitzka@med.uni-frankfurt.de
Michael Stäblein
michael.staeblein@unimedizin-ffm.de
Über die Forschungsgruppe
Ziel des Forschungsbereichs Suizidforschung ist es, die ätiologischen Faktoren suizidalen Verhaltens sowie therapeutische Interventionen zu dessen Beeinflussung systematisch zu untersuchen.
Unsere Forschungsgruppe versteht sich als interdisziplinäre und offene Arbeitsgemeinschaft mit Mitgliedern aus universitären und außeruniversitären Forschungs- und Versorgungseinrichtungen, sozialen Verbänden sowie Fachgesellschaften und steht dabei in besonders enger Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden. Alle Beteiligten verbindet das gemeinsame Interesse, suizidales Verhalten wissenschaftlich zu erforschen und Strategien der Suizidprävention weiterzuentwickeln.
Die Treffen unserer Arbeitsgruppe dienen der Präsentation und Diskussion der Ergebnisse laufender Dissertationen und wissenschaftlicher Projekte sowie der Entwicklung neuer Forschungsideen. Dabei ist uns die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fachdisziplinen besonders wichtig. Da suizidale Erfahrungen und suizidales Verhalten Menschen von der Adoleszenz bis ins hohe Alter betreffen können, müssen sie sowohl in der Forschung als auch in der Prävention zielgruppenspezifisch berücksichtigt werden.
Die regelmäßigen Arbeitsgruppentreffen werden zudem genutzt, um aktuelle wissenschaftliche Publikationen, gesundheitspolitische Entwicklungen sowie die Zusammenarbeit mit gesundheitspolitischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern zu diskutieren. Darüber hinaus berät die Arbeitsgruppe politische Institutionen im Zusammenhang mit der gesetzgeberischen Ausgestaltung von Suizidprävention und Suizidassistenz. In diesem Zusammenhang engagieren sich einige Mitglieder ehrenamtlich in Organisationen wie der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS), dem Werner-Felber-Institut e. V., Kriseninterventionsteams sowie weiteren gemeinnützigen Vereinen.
Zu den Aufgaben der Arbeitsgruppe gehört außerdem die Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, zur Entstigmatisierung des Themas beizutragen. Durch Veranstaltungen, Fort- und Weiterbildungsangebote sowie Medienbeiträge werden unterschiedliche Zielgruppen erreicht. Dabei wird wissenschaftlich fundiertes Wissen sowohl Fachkreisen als auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So beteiligt sich die Arbeitsgruppe beispielsweise jährlich an der Organisation des Welttages der Suizidprävention.
Aktuelle Veranstaltungen
Forschungsschwerpunkte
Früherkennung, Risikoeinschätzung und Prävention suizidaler Krisen
Untersuchung von Risiko- und Schutzfaktoren
Identifikation und Analyse von Hochrisiko-Orten sowie Entwicklung struktureller Präventionsmaßnahmen
Evaluation psychotherapeutischer und psychosozialer Interventionen bei Suizidalität
Psychopharmakologie suizidalen Verhaltens und pharmakologische Suizidprävention
Versorgung nach Suizidversuch und Schnittstellen zwischen stationärer, ambulanter und gemeindenaher Behandlung
Postvention und Unterstützung von Angehörigen nach Suizid
Methoden
Klinische Beobachtungs- und Interventionsstudien
Epidemiologische und versorgungswissenschaftliche Analysen
Qualitative und Mixed-Methods-Forschung
Psychometrische Diagnostik und longitudinale Verlaufsuntersuchungen
Geografische und raumbezogene Analysen von Hochrisiko-Orten
Evaluation komplexer Interventionen und Implementierungsforschung
Sekundärdatenanalysen, Registerdaten und Routinedatenforschung
Aktuelle Studien und Projekte
PREVENTS
Im Rahmen des PREVENTS-Projekts evaluieren wir ein verhaltenstherapeutisches Kurzzeittherapieprogramm speziell für Patient:innen nach einem Suizidversuch.
Das RISE-Programm (Relapse Prevention Intervention after Suicidal Event) ist ein manualisiertes Behandlungsprogramm aus 5 Sitzungen (+ Vorgespräch). Im Rahmen einer multizentrischen, randomisiert-kontrollierten Studie überprüfen wir, ob RISE über die stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Standardbehandlung (TAU) hinaus wirksam ist. Ziel ist die langfristige Integration in die Routinebehandlung.
Kooperation: Bezirkskliniken Mittelfranken, Klinikum Hanau GmbH, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Städtisches Klinikum Dresden
Förderung: Das Projekt ist vom Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert.
Laufzeit: 02/2026 – 04/2029
Selektive Prävention von Depression und Suizidalität im Alter
Aufbau eines niedrigschwelligen sozialpsychiatrischen Versorgungsangebots zur frühzeitigen Anbindung von Personen ab 65 Jahren an psychiatrische Behandlung (Fast-Track-Zugang).
Laufzeit: seit dem 15.08.2024
Kooperation: ODDO BHF Stiftung
Handlungsleitfaden im Umgang mit Suizidalität
Einführung von Handlungsleitfäden zum Umgang mit Suizidalität in psychiatrischen und somatischen Kliniken.
Gruppenmitglieder
Gruppenleitung
Prof. Dr. med. Ute Lewitzka
lewitzka@med.uni-frankfurt.de
Stellvertretung
Micheal Stäblein (FFM)
michael.staeblein@unimedizin-ffm.de
Burkhard Jabs (Dresden)
Wissenschaftliches Kernteam (alphabetisch)
Tina Koch
Katharina König
Hannah Schayani
Arina Vorobyeva
Doktorandinnen und Doktoranden
Alexandros Argyropoulos
Guilia Heil
Anton Jacobshagen
Jennifer Lettau
Alexandra Morfakidis
Moritz Müller
Susann Richter
Evgueny Romanov
Eingeworbene Drittmittel
Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung
Crespo Foundation
Förderung Hochschulmedizin Dresden
Innofond
Henrik Sznapp Stifung
Freunde und Förderer e. V.
ODDO BHF Stiftung
Innovationsausschuss beim G-BA – Projekt Prevents
Dr. Elias und Hedwig Gulinsky-Stiftung
Laufende Promotions- und Masterarbeiten
Hanna Adolpsen, Sarah Duschek und Karoline Karoline Bingel - Suizidalität und Standard-Blutparameter bei geschlechtsinkongruenten Personen: Eine explorative Untersuchung biologischer Korrelate und ihrer klinischen Erfassung
Suizidalität stellt ein bedeutendes gesellschaftliches und gesundheitliches Problem dar, wobei insbesondere bestimmte vulnerable Gruppen, wie geschlechtsinkongruente Personen, ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und -versuche aufweisen. Diese Pilotstudie untersucht daher mögliche Zusammenhänge zwischen ausgewählten Standardblutparametern und Suizidalität in dieser vulnerablen Gruppe, um langfristig die Risikoerkennung und frühzeitige Intervention zu verbessern.
Kooperation: Natalie Metternich und Prof. Bojunga
Alexandra Morfakidis - Suizidalität bei Zahnärzten*innen
Guilia Heil – Untersuchung zu Kliniksuiziden
Paul Goesmann- Untersuchung der Suizidalität im Kontext psychosozialer Interventionen und sozialer Unterstützung nach dem Verlust nahestehender Angehöriger
Anne Gläsing - Langzeitverlauf von Depressivität, Suizidalität und psychosozialer Versorgung von ALS Patienten
Im Rahmen einer prospektiven 30-monatigen Längsschnittstudie wurde der Verlauf von Depressivität, Angst und Suizidalität bei Patienten mit ALS untersucht. Hierzu erfolgten halbjährliche Erhebungen mittels standardisierter Fragebögen zu psychischen und psychosozialen Parametern. Die longitudinal erhobenen Daten wurden hinsichtlich Veränderungen der psychischen Symptomatik und psychoszialer Versorgungssituation ausgewertet.
Kooperation: Neurologie Uniklinik Dresden
Evgueny Romanov - Untersuchung über Häufigkeit und Einfluss von Schilddrüsenfunktionsstörungen, Parametern des Lipid- und Entzündungsstoffwechsels sowie dem Auftreten suizidalen Verhaltens bei psychiatrischen Patienten mit affektiven Erkrankungen
Susann Richter – Poststationäre Suizidprävention
Kooperation: Uniklinik Dresden
Moritz Müller - Systematische Untersuchung aller im Universitätsklinikum Dresden aufgetretenen Suizidfälle hinsichtlich psychopathologischer Parameter sowie baulicher Aspekte
Kooperation: Uniklinik Dresden
Jennifer Lettau - Analyse von Hotspots der Suizide in Dresden über den Zeitraum von 2005 bis 2015 unter besonderer Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen sowie Methode des Suizids
Johannes Horn – Untersuchung zum klinischen Umgang mit Lithiumintoxikationen
Kilian Pooch - Transgenerationale Traumata als blinder Fleck der Suizidprävention: Ein qualitativer Vergleich zur Begründung sozialethischer Interventionspflichten in Deutschland und Südkorea
In dieser Masterarbeit wird der explorative Versuch unternommen, einen qualitativen Vergleich zwischen Deutschland und Südkorea durchzuführen, da beide Länder tragische Kriege, Länderteilungen und massive Systemumbrüche erfahren haben. Die zentrale Leitfrage lautet: Inwiefern transgenerationale Traumata in den nationalen Suizidpräventionsstrategien unterrepräsentiert sind und ob eine sozialethische Notwendigkeit der Interventionspflicht besteht. Die Auswertung erfolgt nach der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring. Die sozialethische Unterscheidung zwischen kollektiver Schuld und kollektiver Last ist aufgrund der historischen Ausgangslagen entscheidend trotz universalistischen psychologischen Mechanismen.
Kooperation: Prof. Mandry
Maike Leuschner - Nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten und Suizidversuche in Haft: Eine Mixed-Methods-Studie zu Impulsentwicklung und Auslösern betroffener Inhaftierter und Sensitivität institutioneller Risikoeinschätzung
Kooperation: Regina Wiedemann
Anton Jacobshagen - Suizidalität in Pflegeheimen bei über 65-Jährigen
Kooperation: Klinikum am Weissenhof
Alexandros Argyropoulos – Persistierende Suizidalität bei frühgestörten Patient:innen
Kooperation: LWL-Klinik-Hemer und Tobias Teismann)
Pauline Thüsing - Suizidalität bei Patienten mit einem Hirntumor
Ziel dieser Dissertation ist es die Faktoren psychische Belastung (Distress), Angst, Depressivität und Suizidalität sowie Resilienz bei Patienten mit Hirntumoren am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden zu untersuchen. Die Ausprägung der genannten Faktoren wird direkt nach der Diagnosestellung mit Referenzwerten für die Bevölkerung verglichen und deren Veränderung über einen Zeitraum von sechs Monaten betrachtet. Darüber hinaus untersucht die Studie den Unterschied zwischen malignen und benignen Hirntumoren sowie den Effekt einer Begleitung der Patienten mittels regelmäßiger Telefonkontakte im Untersuchungszeitraum.
Publikationen
Gesamtliste: ResearchGate, Orcid. Ausgewählte Publikationen:
Frank MD, Heuschild B, Abdelhafiz O, Lewitzka U, Braun J, Braun D, Petrowski K (2024) Air Rescue Missions for Suicide: A Retrospective Analysis of a 12-Year Period from a German Rescue Helicopter Base. Air Med J.43(6):535-543.
Wiest IC, Verhees FG, Ferber D, Zhu J, Bauer M, Lewitzka U, Pfennig A, Mikolas P, Kather JN (2024) Detection of suicidality from medical text using privacy-preserving large language models. Br J Psychiatry. 225(6):532-537.
König K, Grosselli L, Reisch T, Glasow N, Wolfersdorf M, Wurst FM, Lewitzka U (2024) An Analysis of 398 In-Hospital Suicides. Dtsch Arztebl Int. 121(14):473-474.
Grosselli L, Knappe S, Baumgärtel J, Lewitzka U, Hoyer J. (2024) Addressing help-seeking, stigma and risk factors for suicidality in secondary schools: short-term and mid-term effects of the HEYLiFE suicide prevention program in a randomized controlled trial. BMC Public Health. 24(1):113.
Lüke R, Gerlach AL, Gysin-Maillart A, Lewitzka U, Teismann T (2023) Posttraumatische Belastungsstörung infolge eines Suizidversuchs - eine Pilotstudie“ Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 52. 10.1026/1616-3443/a000718.
Medien
Social Media
Presse
Kontraste 16.07.2026
Hat die DGHS gegen ihre eigenen Regeln verstoßen? | rbb
Frankfurter Rundschau 19.06.2026
Spiegel 03.05.2026
FAZ 22.01.2026
Apotheken Umschau 03.02.2026
FAZ 07.09.2025
Podcastfolge bei “Die Boss” 13.05.2025
https://open.spotify.com/episode/6zvDfGaQigIWnDdFvf0mvx
ZDF 24.03.2025
Totgeschwiegen: Warum Suizid uns alle angeht. Mit Leon Windscheid
Kooperationen
Univ.-Prof. Dr. med. Jon Genuneit, Institut für Öffentliches Gesundheitswesen
International Group for the Study of Lithium Treated Patients
R-Link Initiative: Response TO LITHIUM NETWORK
Universitätsklinikum Carl-Gustav Carus, Dresden, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Werner-Felber-Institut e. V. Dresden
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention e. V. (DGS)
Nationales Suizidpräventionsprogramm (NaSPro)