Glossar Psychischer Erkrankungen
Fachbegriffe erklärt
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In diesem Glossar finden Sie kurze und verständliche Erklärungen zu wichtigen psychischen Erkrankungen und psychologischen Begriffen. Ziel ist es, einen ersten Überblick zu geben und das Verständnis für psychische Gesundheit und Erkrankungen zu erleichtern.
Akute Belastungsstörung
Nach bedrohlichen, schwerwiegenden körperlichen oder psychischen Ereignissen kann eine akute Belastungsreaktion eintreten. Dabei handelt es sich um das Auftreten von Symptomen, die sich meist innerhalb von Minuten bis Stunden nach dem Vorfall zeigen und in der Regel nach einigen Tagen abklingen. Halten die Beschwerden länger an, sollten andere Diagnosen in Betracht gezogen werden (bspw. Posttraumatischen Belastungsstörung, PTBS).
Auslöser können etwa schwere Unfälle, Naturkatastrophen oder Gewalterfahrungen sein, aber auch extrem belastende zwischenmenschliche Veränderungen, etwa bedrohliche Konflikte oder Verluste.
Die Symptome sind von Fall zu Fall unterschiedlich und können sich im Verlauf abwechseln. Typische Anzeichen sind Desorientierung, ein Gefühl der Betäubung oder emotionale Erstarrung. Manche Betroffene erleben Erinnerungslücken, plötzliche Gereiztheit, Angst oder Verzweiflung sowie eine überwältigende, unkontrollierbare Trauerreaktion. Oft treten zusätzlich körperliche Stressreaktionen auf, beispielsweise starker Schweißausbruch, Herzrasen, Schwindel, Mundtrockenheit oder die Angst, die Kontrolle zu verlieren.
Im Zusammenhang mit der akuten Belastungsreaktion werden mitunter Begriffe wie „Nervenzusammenbruch“, „Nervenschock“ oder „akute Krisenreaktion“ verwendet – sie bezeichnen jedoch im Kern dasselbe Phänomen.
Angststörungen
Angst ist eine grundlegende und evolutionär sinnvolle Reaktion, die vor potenziellen Gefahren warnt und Schutzmechanismen aktiviert. Während normale Angst an konkrete Bedrohungen geknüpft ist, liegt bei Angststörungen eine pathologische Form vor: Die Angst tritt ohne objektiven Anlass auf, ist übermäßig intensiv. Angststörungen führen meist zu einer klinisch relevanten Beeinträchtigung der Lebensqualität und Funktionsfähigkeit, denn sie werden für die Betroffenen als sehr belastend erlebt und führen zu übermäßiger Vermeidung der angstbesetzten Situationen. In konkreten Situationen der Angst, sind körperliche Symptome wie Atemnot, Herzrasen, Schwindel, Zittern, Übelkeit und Schweißausbrüche typisch. Für die Therapie von Angsterkrankungen stehen sowohl psychotherapeutische als auch pharmakologische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und treten in verschiedenen Formen auf:
- Phobische Störungen: Phobische Störungen sind eine Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen wird. In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. Zu den phobischen Störungen gehören:
- Agoraphobie: Es bestehen Befürchtungen das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen oder öffentlichen Plätzen zu sein oder alleine mit Bahn, Bus, Flugzeug zu reisen. Agoraphobie wird häufig „Platzangst“ genannt.
- Soziale Phobie: Es bestehen Ängste vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zur Vermeidung sozialer Situationen führen. Soziale Phobien sind häufig mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden.
- Spezifische Phobien: Menschen mit einer spezifischer Phobie fürchten sich vor einem spezifischen Objekt (z.B. Spinne, Hund, Spritze, etc.) oder einer Situation (Höhe, Fliegen, Anblick von Blut oder Verletzungen, Dunkelheit, Zahnarztbesuch) oder einem Ort (z.B. geschlossene Räume, Krankenhaus). Bei Konfrontation mit dem angstauslösenden Objekt beziehungsweise der Situationen kann es zu Panikerleben und starken Ängsten und Hilfslosigkeitsgefühlen kommen.
Zudem existieren Angststörungen, welche nicht auf eine bestimmte Umgebungssituation bezogen sind. Zu diesen Angststörungen gehören:
- Generalisierte Angststörung: Menschen die darunter leiden, sehen alltägliche Schwierigkeiten voller Angst. Betroffene sind angespannt, ihre Gedanken kreisen sorgenvoll um Angehörige, um Gesundheit, Finanzen oder Partnerschaft. Generalisierte Angststörungen können so stark werden, dass sie sich auf alle Bereiche des Lebens auswirken und kaum mehr Raum für gute Gefühle lassen.
- Panikstörung: Bei der Panikstörung treten unerwartet und ohne sichtbaren Anlass massive Angstgefühle mit intensiven körperlichen Symptomen (z.B. Herzrasen, Atemnot, Beklemmungsgefühle, Übelkeit, Schwindel) auf. Manchmal so extrem, dass die Betroffenen glauben, zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder wahnsinnig zu werden. Panikattacken beginnen zumeist plötzlich und sie errreichen innerhalb von Minuten ein Maximum. Häufig entwickelt sich eine starke Erwartungsangst , man spricht hierbei von der „Angst vor der Angst“. Deshalb kommt es zu Vermeidungsverhalten und nicht selten zu einem sozialen Rückzug.
Anpassungsstörungen
Eine Anpassungsstörung ist eine Reaktion auf ein einmaliges oder ein fortbestehendes belastendes Lebensereignis. Auslösende Stressoren sind beispielsweise eine schwere körperliche Erkrankung bei sich selbst oder bei nahen Angehörigen, familiäre oder berufliche Belastungen, Todesfälle, Trennungen oder finanzielle Probleme.
Symptome von Anpassungsstörungen umfassen vor allem Veränderungen des Affektes (z.B. niedergedrückte Stimmung, Antriebs- und Interessenslosigkeit) und Störungen des Sozialverhaltens (sozialer Rückzug). Auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, Herzbeschwerden können begleitend auftreten.
Die Entstehung von Anpassungsstörungen und deren Schweregrad sind weniger durch die Art des Ereignisses bedingt als durch das subjektive Empfinden der Belastung, vorbestehende Belastungen, individuelle Belastbarkeit sowie Bewältigungsfähigkeiten. In der Behandlung steht ein psychotherapeutischer Ansatz im Vordergrund.
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter
Typisch für ADHS sind Konzentrationsstörungen, Impulsivität und Hyperaktivität. Außerdem leiden die Erkrankten unter starken Stimmungsschwankungen, überschießenden emotionalen Reaktionen und Schwierigkeiten bei der Planung eines strukturierten Alltags.
ADHS beginnt im Kindesalter, aber häufig bestehen die Symptome bis ins Erwachsenenalter fort. Gerade im Erwachsenenalter ist ADHS ein Risikofaktor für eine große Anzahl begleitender psychischer Störungen (beispielsweise Depression, Angsterkrankungen und Suchterkrankungen), deren Behandlung sich als schwierig gestaltet, wenn die zugrunde liegende ADHS nicht erkannt und ebenfalls behandelt wird. ADHS ist gut behandelbar und kann psychoedukative, psychotherapeutische und pharmakologische Bausteine umfassen.
Autismus-Spektrum-Störungen
Autismus-Spektrumstörungen gehören zu den "tiefgreifenden" Entwicklungsstörungen. Sie gehen mit unterschiedlich ausgeprägten Beeinträchtigungen der Kommunikation und der sozialen Interaktion einher (z.B. Schwierigkeiten, eine Konversation zu beginnen oder aufrechtzuerhalten, verminderte Gestik, Mimik und Blickkontakt). Sie zeigen sich vor allem durch wiederholende, gleichförmige Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten. Innerhalb der Autismus-Spektrum-Störungen zeigen sich unterschiedliche Symptome, Ausprägungen und Schweregrade.
Der frühkindliche Autismus zeigt sich vor dem 3. Lebensjahr und besonders in den Bereichen Umgang und Kommunikation mit Mitmenschen (Wahrnehmung und Aussendung sozialer und emotionaler Signale gestört) und eingeschränkte, sich wiederholende und gleichförmige Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten.
Die Intelligenz- und Sprachentwicklung kann Autismus-Spektrum-Störungen unterschiedlich ausgeprägt sein. Beim bekannten Asperger-Syndrom zeigen sich Auffälligkeiten in den Bereichen motorische Entwicklung, sozialen Interaktion sowie Wahrnehmung und Verarbeitung von Umweltreizen und Sinneseindrücken bei gleichzeitig normaler Intelligenz oder besonders hoher Intelligenz in Teilgebieten.
Bipolare Störungen/manisch-depressive Erkrankungen
Bipolare Störungen - auch manisch-depressive Erkrankung genannt - zeichnen sich durch ausgeprägte Schwankungen im Antrieb, im Denken und in der Stimmungslage aus. So durchleben Erkrankte depressive Phasen mit gedrückter Stimmung, Interessensverlust und Verminderung des Antriebs und manische Phasen mit euphorischer oder ungewöhnlich gereizter Stimmung und Überaktivität. Sind die manischen Phasen schwach ausgeprägt, spricht man von hypomanen, in voller Ausprägung von manischen Episoden. Bei schweren Manien kommen häufig auch Symptome einer Psychose hinzu, zum Beispiel Größenwahn oder Verfolgungswahn. Die Störung kann verschiedene Verläufe und und Ausprägungen annehmen, wobei Phasen mit einer ausgeglichenen Stimmung auch denkbar sind. Behandlungsansätze vereinen meist medikamentöse, psychotherapeutische und soziotherapeutische Elemente.
Borderline-Persönlichkeitsstörung
Die sogenannte Borderline-Störung, auch emotional-instabile Persönlichkeitsstörung genannt, ist durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmung, der Identität sowie zwischenmenschlichen Beziehungen charakterisiert.
Betroffene erleben heftige Stimmungs- und Gefühlsschwankungen oder Gefühle, sich nicht selbst spüren zu können. In Folge kommt es zu starker innerer Anspannung, die teilweise durch selbstverletzendes Verhalten versucht wird zu lindern. Außerdem berichten Betroffene von dem Gefühl, nicht zu wissen, wer sie sind und starken Ängsten vor dem Alleinsein. Die Symptome werden als sehr belastend erlebt und führen häufig auch zu Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen. Die Erkrankung betrifft häufig junge Menschen und auch wenn der Weg nicht ganz leicht ist, kann eine Borderline-Persönlichkeitsstörung psychotherapeutisch gut behandelt werden.
Delir
Das Delir ist eine akutes psychisches Zustandsbild bei dem Betroffene sich teilweise nicht mehr klar in ihrer Umgebungssituation verorten können, Gedächtnisprobleme aufweisen, verlangsamt oder verschreckt auf ihre Umwelt reagieren. Schlafstörungen, wie völlige Schlaflosigkeit, Verschlimmerung der Symptome in der Nacht oder Albträume können auch Teil der Störung sein. Ursache dieser akuten Bewusstseinsveränderung kann ein Entzug bei Alkoholabhängigkeit, eine Demenz oder das Erwachen nach einer Operation sein. Die Therapie eines Delirs richtet sich nach der auslösenden Ursache.
Demenz
Demenzerkrankungen sind weit verbreitet und können bei Betroffenen und deren Umkreis zu Unsicherheiten und Ängsten führen. Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, steigt mit dem Lebensalter. Unter Demenzen versteht man den Verlust bestehender geistiger Fähigkeiten. Hierzu gehören zwei wesentliche Kriterien:
- Eine Abnahme des Gedächtnisses, v.a. bei dem Erlernen neuer Informationen, aber auch bei der Erinnerung an frühere Informationen.
- Eine Abnahme anderer geistiger Fähigkeiten, v.a. durch eine Verminderung der Urteilsfähigkeit und des Denkvermögens, z.B. die Fähigkeit, etwas zu planen und zu organisieren.
Bei einer Demenz ist also das Denken beeinträchtigt und der Alltag kann nicht mehr wie gewohnt bewältigt werden.
Die Ursachen einer Demenz können sehr verschieden sein. Die Alzheimer'sche Krankheit ist zwar die häufigste Ursache für eine Demenz, es gibt jedoch noch eine Vielzahl anderer Ursachen, von denen einige gut zu behandeln sind. Es gibt auch Krankheiten, die eine Demenz vortäuschen können. Das kann beispielsweise bei Depressionen der Fall sein.
Eine frühzeitige diagnostische Abklärung ist notwendig, da frühzeitige Behandlungen am erfolgsversprechensten sind. Viele Demenzformen sind zwar noch nicht heilbar, können aber schon heute gut behandelt werden.
Dissoziative Störungen
Das Wort Dissoziation bedeutet "trennen, schneiden".
Dissoziative Störungen beschreiben Zustände, bei denen bestimmte mentale Prozesse (Wahrnehmung, Erinnerung, Identität, Motorik etc.) von einander abgespalten sind. Erleben und Handeln stehen nicht mehr im Einklang zueinander. Sie können in Folge von belastenden Ereignissen entstehen und körperliche Erkrankungen, die diesen Zustand hervorrufen können, müssen ausgeschlossen werden. Nachfolgend einige Beispiele dissoziativer Störungen:
- Dissoziative Amnesie (Erinnerungslücken): Verlust der Erinnerung für meist wichtige aktuelle Ereignisse, die nicht durch eine übliche Vergesslichkeit oder Ermüdung erklärt werden kann. Die Amnesie bezieht sich meist auf traumatische Ereignisse wie Unfälle oder unerwartete Trauerfälle.
- Dissoziative Fugue ("sich entfernen, durchbrennen"): Betroffene verlassen plötzlich und aus unerklärlichen Gründen ihr Zuhause oder den Arbeitsplatz. Diese „Reise“ wird im Nachgang teilweise oder vollständig vergessen.
- Dissoziativer Stupor: Beträchtliche Verringerung oder des Fehlens von willkürlichen Bewegungen und normalen Reaktionen auf äußere Reize wie Licht, Geräusche oder Berührung ohne körperliche Ursache.
- Dissoziative Bewegungsstörung: Vollständiger oder teilweiser Verlust der Bewegungsfähigkeit eines oder mehrerer Körperglieder
- Dissoziative Krampfanfälle: Epileptischen Anfällen ähnliche Anfälle zumeist aber ohne Sturz, und Bewusstseinsverlust
Posttraumatische Belastungsstörung
Der Posttraumatischen Belastungsstörung – kurz PTBS – ist eine verzögerte psychische Reaktion auf ein oder mehrere extrem belastende Ereignisse. Diese können einen selbst betreffen oder bei anderen erlebt werden. Zu den Traumata gehören bspw. sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, gewalttätige Angriffe, Entführung, Kriegserlebnisse, Unfälle, Naturkatastrophen oder die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung, wobei Betroffene dadurch Gefühle von Angst, Schutzlosigkeit und Kontrollverlust ausgelöst werden.
Die PTBS tritt in der Regel innerhalb eines halben Jahres nach dem Ereignis auf. Betroffene leiden unter aufdrängendem, intensiven Wiedererleben der traumatischen Ereignisse, was sich in Form von Albträumen oder Flashbacks während des Tages äußern kann. Häufig kommt es in Folge dessen zu Vermeidungsverhalten. Zu weiteren typischen Symptomen gehören Erinnerungslücken, Schlafstörungen und Schreckhaftigkeit.
Nicht jede Person, die ein potentiell traumatisches Ereignis erleben muss, entwickelt danach eine PTBS. Der Zeitpunkt, die Art, Häufigkeit und Schwere des Traumas spielen dabei eine entscheidende Rolle. Für die Behandlung einer PTBS gibt es mittlerweile eine Reihe an spezialisierten Therapieformen (bspw. EMDR), weswegen sie gut behandelbar ist.
Schizophrenie-Spektrum-Störungen (Psychosen)
Psychotische Störungen sind psychische Erkrankungen, bei denen psychotische Symptome wie Wahn oder Halluzinationen entweder zu den Kernmerkmalen der Erkrankung gehören oder begleitend auftreten. Hierzu zählen die Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis, zu denen auch die Schizophrenie gehört, die bipolaren Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) oder schwer ausgeprägte unipolare Depressionen.
Psychotische Symptome können auch im Rahmen von anderen psychischen Störungen auftreten, z.B. im Rahmen von Drogenintoxikationen, bei deliranten Zuständen im Alkoholentzug oder bei älteren Menschen nach Operationen (postoperatives Delir). Mit dem Begriff Psychosen sind aber Erkrankungen gemeint, bei den psychotische Symptome Kernmerkmale der Erkrankung sind.
Bei Psychosen - also Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis - sind Wahrnehmung, Denken und Fühlen verändert. Betroffene hören Stimmen, die andere nicht hören, berichten, dass sie sich verfolgt oder bedroht fühlen, dass sie Botschaften aus einer Welt erhalten, die anderen nicht zugänglich ist, oder, dass sie das Gefühl haben, sie würden sich körperlich verändern. Neben diesen sog. positiven Symptomen treten auch sog. negative Symptome auf. Hierzu gehören z.B. der soziale Rückzug, eine Verminderung von Affekt und Sprache sowie eine verminderte Fähigkeit, Freude zu empfinden.
Es können verschiedene Arten von Psychosen unterschieden werden. Diese Typen unterscheiden sich hinsichtlich der Ursache, Dauer und den vorwiegenden Symptomen – bei schizoaffektiven Störungen beispielsweise treten neben psychotischen Symptome auch depressive und oder manische auf. Eine Therapie beinhaltet pharmakologische, psychotherapeutische und soziale Elemente.
Suchterkrankungen
Zeichen von Missbrauch oder Abhängigkeit von Substanzen (Alkohol, Nikotin, Medikamente, Drogen) oder von Verhaltenssüchten (z.B. Kaufsucht, Spielsucht, Internetsucht) sind:
Eine Sucht zeichnet sich durch ein starkes Verlangen, eine bestimmte Substanz zu konsumieren. Betroffene verlieren dabei häufig zunehmend die Kontrolle über ihr Konsumverhalten, etwa über die Menge oder darüber, wann sie aufhören. Oft treten außerdem körperliche Entzugssymptome auf, wenn die Substanz nicht konsumiert wird. Mit der Zeit entwickelt sich meist eine Toleranz, sodass immer höhere Dosen benötigt werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Gleichzeitig werden andere Interessen, Hobbys oder soziale Kontakte zunehmend vernachlässigt. Trotz erkennbarer negativer gesundheitlicher, sozialer oder psychischer Folgen wird der Konsum weiterhin fortgesetzt.
Zwei Abhängigkeiten treten gehäuft auf:
- Alkoholabhängigkeit: Die Alkoholabhängigkeit entwickelt sich meist schleichend über viele Jahre hinweg. Der Übergang von Missbrauch zu Abhängigkeit ist dabei fließend. Beim Missbrauch ebenso wie bei der Abhängigkeit wird der Konsum trotz schädlicher körperlicher, psychischer und sozialer Folgen fortgesetzt. Alkohol bestimmt immer stärker das Leben der Betroffenen. Andere Lebensbereiche wie Beruf, Familie, Sozialkontakte, Freizeit werden immer stärker vernachlässigt oder negativ beeinflusst. Ist die Abhängigkeit weiter ausgeprägt, kommen häufig erfolglose Versuche hinzu, das Trinken zu beenden und die nötige Alkoholmenge steigt (Toleranzentwicklung). Im weiteren Verlauf treten dann Entzusgerscheinungen auf mit Händezittern, Schwitzen, Herzrasen, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, vorübergehenden Halluzinationen und Krampfanfälle. Durch erneuten Alkoholkonsum verschwinden milde Entzugserscheinungen wieder.
- Medikamentenabhängigkeit: Die größte Personengruppe ist von sogenannten Benzodiazepinen abhängig. Diese Medikamente haben eine beruhigende, angstlösende und schlaffördernde Wirkung. Benzodiazepine sind potentiell abhängig machende Medikamente, das heißt, dass sich eine psychologische und körperliche Abhängigkeit innerhalb von Wochen bis Monaten des regelmäßigen oder wiederholten Konsums entwickeln kann. Symptome der Benzodiazepinabhängigkeit umfassen leichte kognitive Beeinträchtigungen bis hin zu Vergesslichkeit, chronische Verstimmungszustände, Ängste oder ausgeprägte Leistungsminderung. Ebenso wie beim Alkohol können Entzugserscheinungen oder im Entzug Krampfanfälle oder delirante Zustände auftreten.
Unipolare Depression
Eine Depression unterscheidet sich von allgemein bekannten Stimmungstiefs. Menschen mit einer Depression berichten, dass sie keine Freude mehr empfinden können, sondern nur noch negative Gefühle in sich tragen oder eine innere Leere erleben. Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid begleiten eine Depression häufig. Bestehen über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen folgende Symptome, kann dies auf eine Depression hinweisen:
- niedergeschlagene, depressive oder gedrückte Stimmung oder Gefühllosigkeit
- Freudlosigkeit
- Interessenverlust an Dingen, die zuvor Freude bereitet haben
- Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit
Begleitend dazu können weitere Beschwerden auftreten wie z. B. Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, mangelndes Selbstvertrauen, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen oder Appetitverlust. Viele Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, berichten auch von verschiedenen körperlichen Beschwerden wie z.B. Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen oder Beeinträchtigungen der Sexualität. Die Therapie einer Depression kann psychotherapeutische und medikamentöse Ansätze umfassen.
Zwangsstörungen
Zwangsstörungen sind charakterisiert durch einen inneren Drang, bestimmte Dinge zu denken (Zwangsgedanken) und/oder zu tun (Zwangshandlungen). Der Betroffene erlebt die Zwänge als übertrieben und sinnlos, können ihnen zumeist jedoch wenig entgegensetzen und sind täglich mit ihnen konfrontiert. Die Ausführung von Zwangshandlungen oder –ritualen wird nicht als angenehm empfunden und dient meist keiner nützlichen Aufgabe. Betroffene verspüren häufig Anspannung, Angst und Ekel. Aufgrund der Störung kommt es zu ausgeprägten Beeinträchtigungen von sozialem Funktionsniveau und Lebensqualität.
Ein paar typische Zwangsgedanken können die Angst vor Verunreinigung sein, Zwänge, Dinge kontrollieren oder zählen zu müssen oder auch die Angst, jemand nahestehendem etwas gewaltvolles antun zu können – auch wenn dies absolut nicht der Realität entspricht.
Zwangsstörungen können psychotherapeutisch behandelt werden, eine medikamentöse Behandlung kann ergänzend eingesetzt werden.