Die Therapie von Irma J.
Ute, Iris, Rebecca – Irma J. nennt das Pflegefachpersonal in der UCT-Tagesklinik beim Vornamen. Zwischen der 55-jährigen Patientin und dem Team herrscht spürbare Vertrautheit. Kein Wunder: Sie kennen sich seit Jahren.
Bereits 2007 wurde bei Irma J. ein Myelodyplastisches Syndrom (MDS) diagnostiziert, eine Erkrankung, bei der die Blutbildung im Knochenmark gestört ist. Vier Jahre später kam Brustkrebs hinzu. Seit der Eröffnung der Tagesklinik des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) Frankfurt vor gut zehn Jahren ist Irma J. dort regelmäßig in Behandlung.
Drehscheibe der modernen Krebsmedizin
In der Tagesklinik arbeiten 25 hochqualifizierte Pflegefachpersonen mit Spezialisierungen unter anderem in Onkologie, palliativer Versorgung oder Anästhesie- und Intensivmedizin. Das Team führt ambulante Chemotherapien, innovative Antikörper- und Immuntherapien durch. „Moderne Krebstherapie ist komplex und interdisziplinär. Unsere Tagesklinik ist dabei nicht nur Behandlungsort, sondern auch Knotenpunkt und Koordinationszentrale“, erklärt Ute Große Kunstleve, Gruppenleitung in der UCT-Tagesklinik. Pflegefachpersonen, Ärztinnen, Apotheker, Psychologinnen, Ernährungsberater, Sozialarbeiterinnen sowie Sport- und Schmerztherapeuten arbeiten hier eng zusammen – mit einem gemeinsamen Ziel: bestmögliche Lebensqualität und Heilungschancen für die Patientinnen und Patienten.
Durchschnittlich 80 Menschen werden täglich hier betreut, stets individuell und auf Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. „Wir verabreichen vor allem Infusionen, aber auch subkutane Injektionen, individuell abgestimmt auf das jeweilige Krankheitsbild“, sagt Rebecca Meier, stellvertretende Gruppenleitung. „Je nach Therapieform dauert ein Aufenthalt zwischen 15 Minuten und acht Stunden.“ Während dieser Zeit werden Zugänge gelegt, Infusionsbeutel gewechselt, Nebenwirkungen bekämpft – und Patientinnen und Patienten mental unterstützt. „Der persönliche Kontakt ist essenziell“, so Rebecca Meier. „Jede Patientin und jeder Patient geht anders mit der Krebserkrankung um. Wir versuchen, alle individuell abzuholen.“
Vertrauen in den Fortschritt
Irma J. kommt derzeit alle drei Wochen aus Seligenstadt nach Frankfurt zur Behandlung – für rund 20 bis 30 Minuten. „Früher bekam ich Infusionen über einen Port. Das dauerte gut zwei Stunden. Heute wird das Medikament direkt in den Oberschenkelmuskel gespritzt. Mit Vorbereitung und Nachsorge bin ich nach einer halben Stunde wieder draußen.“ Die freiberufliche Fitness- und Rehatrainerin ist angesichts des medizinischen Fortschritts, der sich auch in ihrer Therapie niederschlägt, zuversichtlich. Sie vertraut auf ständig verbesserte Therapien und die Fachkompetenz der Ärztinnen und Pflegenden. Ihre Lebenseinstellung: „Ich sehe das so: Der Krebs muss mit mir leben, nicht ich mit ihm. Natürlich könnte es irgendwann andersherum sein, aber ich hoffe, das dauert noch sehr lange.“
Pflege mit Herz und Verstand
Auch aus Sicht des Teams ist die Entwicklung in der Krebstherapie ermutigend. Ute Große Kunstleve, seit 30 Jahren in der Onkologie tätig, bestätigt: „Medizinisch und pflegerisch hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm viel getan. Dank neuer Medikamente kann aus einer lebensbedrohlichen Krebserkrankung heute oft eine chronische werden – auch wenn das nicht für alle Patientinnen und Patienten gilt. Wir erleben das hier aber regelmäßig und freuen uns mit unseren Patienten über diese Perspektive.“
Für das Pflegefachpersonal ist die enge, oft jahrelange Begleitung ihrer Schützlinge etwas Besonderes. „Wir erleben hier eine Pflege-Patient-Beziehung, wie sie im Krankenhausbetrieb sonst selten ist“, sagt Ute Große Kunstleve. „Gerade in der Onkologie wollen viele Kolleginnen und Kollegen den Menschen ganzheitlich begleiten, eben den ganzen Menschen sehen.“ Auch Kollegin Rebecca Meier betont: „Wir sind hochspezialisiert, aber vor allem sind wir Menschen. Es ist wichtig, sich in die Patientinnen und Patienten hineinzuversetzen, menschlich zu bleiben und einfach da zu sein.“
„Ein bisschen wie Freunde treffen“
Diese Mischung aus fachlicher Expertise und menschlicher Nähe ist ein tragender Pfeiler der individuellen Versorgung der Krebspatientinnen und -patienten in der UCT-Tagesklinik, den auch Irma J. sehr schätzt. „Es klingt vielleicht merkwürdig, aber ich komme sehr gern hierher. Es ist jedes Mal ein bisschen so, wie Freunde zu treffen. Man kennt sich und vertraut einander. Wenn es mir schlecht geht, ist jemand da, um mich aufzufangen. Wenn ich reden möchte, hat immer jemand ein offenes Ohr. Ich fühle mich hier bestens aufgehoben“, sagt sie. Auch wenn die Behandlungen nicht mehr so lange dauern wie früher, ist das vertraute Verhältnis zu Ute, Rebecca und den anderen trotzdem geblieben.